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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
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Gulden jährlich erziele. Auch unseren Überfluß führen wir nichtaus, meint er, die Ungarn müßten »sich in Ungrischen Weinenfast ersäuffen / nur um ihrer los zu werden«. Nicht eine Regelwird also beobachtet: im Gegenteil, denn es wird »durch eineungemeine Raserey alles / was fremd ist / dem Einheimischenbey uns Teutschen vorgezogen« 26 ). Wenn ihm jemand ent-gegenhalte, er habe die Gebrechen der Landesökonomie der Mit-und Nachwelt zum Spott aufgedeckt, dem erwidere er, daß es dieganze Welt wisse. Trotzdem wäre es nötig, den Finger auf dieWunde zu legen: »das Übel unsers Vaterlands / den Geld-Mangelfühlt zwar jedermann unter uns / und jedermann klagt darüber.Dessen Wurtzel und Ursprung aber erkennet niemand«. Nach-dem er auf die Schäden hingewiesen und Anweisungen gegebenhat, steht zu hoffen, daß doch noch einer sich zur Umkehr auf-raffen würde. »Glückselige Kayserliche Erbländer / und gesegneterTag / in welchem wir solches Ileyl erleben werden!« 27 ). DieseHilfe muß vom Fürsten kommen, der allen mit gutem Beispielvorangeht, denn von den Kaufleuten wird sie vergebens erwartet.Auch Hornigk weiß, daß der ökonomische Fortschritt nur vonoben her zu erreichen ist.

Wie sind aber die Reformen zu beginnen? Die Erbländermüssen zunächst »eine Zeitlang mit ihrem eigenen Guth / mitihren eigenen Manufacturen / so schlecht sie anfangs auchimmer seyn möchten / vorlieb nehmen / und sich der Auswärtigenmassigen / ihr gutes Gold und Silber aber dafür im Beutel be-halten« 28 ). Daraus würde alles andere folgen: die Rohstoffe würdenim Lande verarbeitet, die Bevölkerung wachsen, das Geld bliebeda, und alle Regeln würden erfüllt. Dieser völlige Abschluß desLandes wäre zwar für manchen ein »herber Bissen«, es solle auchnicht alles Fremde verpönt sein, nur das, was dem Lande dengrößten Nutzen einbrächte, wenn man es selbst herstellte. Dazugehörten vor allem die Woll-, Leinen-, Seidenmanufaktur unddas, was man »Frantzösische Manufacturen« nenne. Diesesind »die vier frässige Raub-Thiere«, für die zehn Millionen »fürdie Thür geschüttet werden« 29 ). Wie könnten aber diese vielenMillionen dem eigenen Lande nützen! Es wäre verkehrt, wennman die fremden Manufakturen in Deutschland nur nachahmte undsie deshalb mit Zöllen belastete; denn der Luxus würde doch diefremden bevorzugen. Nur ein Radikalmittel könne helfen, meintHornigk, da er nie Scheu vor Gewaltkuren hat: »Ich aber rathedie ausländische zu verbiethen / um hernach die inlän-