Druckschrift 
Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
Entstehung
Seite
314
Einzelbild herunterladen
 

314

andern zu kauffen.« Der Gewinn kann aber dreifach sein:für den Kaufmann, das Volk und den Fürsten 61 ).

Worin besteht der Überfluß? fragt Schröder: »entweder inrebus naturalibus oder rebus artificialibus, das ist / erstlich aus dernatürlichen fruchtbarkeit des landes / oder zweytens ausdem fleiß der menschen / welchen wir in der kauffmannschafftselbst anwenden . . . oder drittens aus der kunst der menschen.«Damit gibt er eine neue Reichtumsdefinition, die seiner ersten,in der er nur das Geld als Reichtum erklärte, widerspricht, weiler hier Arbeit und Natur als Quellen alles Überflusses er-klärt 6). Ein neuer Beweis seiner Inkonsequenz, die Srbik garnicht betont. Die Fruchtbarkeit eines Landes kann aber nur mitdem Handel zum Segen werden. »Denn die fruchtbarkeit deslandes verursachet eine wohlfeiligkeit zu leben / welches der geistaller commercien ist«, weil der Lohn gering und dadurch dieWaren billiger sind. Wie reich könnte Österreich sein, wenn esseinen Überfluß richtig verwendete, »wie das büchlein / Oesterreichüber alles wenn es nur will / ausführlich davon zu lesen« 63 ). Deut-lich spüren wir, wie Bechers und Hornigks Geist die politischenAusführungen Schröders begleitet. Auch für ihn ist der »feld-bau« der erste »beruff «, deswegen soll der Fürst die »curam reirusticae wohl in acht nehmen«; zum Landbau gehören auch Flachs,Hanf, Tabak, Kräuter und Flonig. »Es ist. . . ein großer Unver-stand bey uns / daß wir so grosse öde und wüste heyden oderfelder ohngebaut liegen lassen ... da doch solche mit so herrlichemnutzen / als die guten äcker zu bauen wären.« So hatten schonOsse und Obrecht gemahnt. Auch auf die Schafzucht, denSeidenbau, die von großem Nutzen sind, muß geachtet werden 61 ).Schröder verfällt aber nicht in den Fehler Bechers an eineAllproduktivität des Landes zu glauben: »man muß judiciren /was thunlich oder nicht thunlich sey / nam non omnis fert omniatellus.« Am besten ist es, den Überfluß darin zu suchen, wo dieNachbarn etwas nötig haben, »und welche wir am besten undmit grösserm gewinst versilbern können« 65 ). Schröder beschäftigtsich eingehend mit der Frage, ob auch Sklaven zur Beförderungdes Ackerbaues zuzulassen wären, und glaubt sie bejahen zu müssen,»so sehe ich auch keine Ursache / warum wir solche Barbaren undungläubigen / und die gefangenen Türcken / als abgesagte feindeder Christenheit / nicht solten eben sowohl / wie sie uns / zu sclavenmachen.« Dann könnten die Christen sich mehr der Manufakturzu wenden. Aber man darf die Sklaven nicht Hungers sterben