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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
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land solche versammlungs-plätze der kauffleute den nahmen dieBurse behalten und genennet werden« 71 )*).

Um solchen Handel zu befördern sind nötig: »ein freyescommercium«, »leichte und geringe mauthen«, »stricte execu-tion der justitz«, »kleines interesse von entlehnetem gelde«, »einoffener Wechsel vor arme und reiche«, »gutes regiement der posten«und »stattliche freyheiten vor die fremden kauffleute« 72 ). Unterdem »freyen commercium« versteht Schröder nicht etwa denFreihandel, damit hätte er den Boden des Merkantilismus ver-lassen, sondern einen Handel ohne Monopole und Privilegien,bei dem jeder das gleiche Recht wie der andere genießen sollte.Er fordert geringe Zölle, »damit allerley waaren desto öfftererwieder versilbert werden«. Die Kaufleute brauchen ein beson-deres Handelsrecht, »denn wenn kauffleute mehr den advocatennachlauffen müssen / als sie in ihren contoren sitzen können / soist es geschehen«, aber die Justiz muß schnell sein 73 ).

Sehr wichtig ist seine Forderung billigen Geldes, denn, jegeringer die Zinsen sind, desto mehr kann die Produktion angeregtwerden. »Das fundament des florirenden handeis inHolland «, sagt er, »ist / daß das Geld auf zinse gegen dritthalboder drey / auch wohl zwey pro cento jährlich ohn einigesUnterpfand auch an kauffleute gethan wird«; dagegen wird inanderen Ländern eine weit größere Rente bezahlt; im Reich 5,in den Erbländern sogar 6%. Deswegen kann Plolland überallmit barem Gelde kaufen, denn es konnte den Handel schon früh

*) Schröder hat diese Erklärung der Börse wörtlich aus der »Descrittionedi tutti i Paesi Bassi des Florentiner Topographen Lodovico Guicciardini 1567 über-nommen. Dort heißt es: E in Bruggia una piazza molto commoda a tutte le partidella terra; in testa della quäl piazza euna grande ed antica casa, dalla nobilfamiglia, detta della Borsa, stata edificata con le sue armi di viva pietra sopra laporta, le quali armi sono tre borse. Or da questa casa, famiglia e armiprese il nome (come communemente in simili cose avviene) quella piazza. E cosiperche li mercatanti dimoranti in Bruggia elessero, usavano ed ancor hoggi per rad-dotto de Ioro negocii usano essa piazza o Borsa, andando eglino poi alle fieridAnversa e di Berga, dierono anco a similtudine ed usanza della loro di Bmggia, ilnome di Borsa a quelle piazze e luoghi, dove esse in detta Anversa e Berga a trafficaresi raunavano« (p. 67 bei Ehrenberg, Zeitalter der Fugger, I, S. 80). Ehrenbergbestätigt, daß dieser Bericht über den Ursprung des Namens der Börse wahrheitsgemäßist, daß in dem Hause der Familie van der Burse ein Magazin und Logis für fremdeKaufleute errichtet wurde, und zwar befanden sich gerade die Italiener allein mit ihren»Logen« an dem Platz »de burse«. Aber diese Versammlungen dienten zunächst nurdem Wechselverkehr. Schröders Ausführungen sind also richtig. Vgl. auchEhrenbergs Artikel »Börsenwesen im Hdw. d. Staatsw., 3. Aufl., Bd. 3, II, S. i7off.,und v. Schanz Artikel »Börsenwesen im W. d. Volksw., 3. Aufl., Bd. I, S. 523ff.