Hornigks fordert er deshalb die industrielle Erziehung desLandes und verlangt zu diesem Zwecke dieselben Mittel, zudenen schon Osse und Obrecht rieten: zunächst gilt es dieRohstoffe zurückzuhalten, denn wenn wir sie selbst verarbeiten,haben wir den Gewinn und fördern die Geschicklichkeit unsererHandwerker. Aber wir merken nicht, »daß den armen leuten inTeutschland durch solche unsere Unvorsichtigkeit das übrige biß-lein brodt . . . aus dem mund gerissen w T erden«; während dieFranzosen »wie brüllende löwen« suchen, was sie verschlingenkönnen 87 ). Und nun glauben wir Becher oder Hornigk zu hören,wenn Schröder sagt: »Es mangelt Teutschland weder anmaterialien noch an geschicklichkeit der leute / daß es nichtsolte Holland / Engelland / Frankreich und Italien in manufacturenüberlegen seyn / wann es nur wolte.« Es hat Mineralien, 'Holz,Wolle, Flachs, Häute und Farbstoffe und damit »alle zu manufacturbenöthigte materialien«. Daß die Deutschen zu vielen Künstengeschickt sind, beweisen Städte wie Augsburg, Nürnberg oderDresden 88 ).
»Die Ursachen aber,« erklärt er, »warum bißhero in Teutsch-land die manufacturen gantz danieder gelegen / sind erstlich diegeschlossene zünffte / dann quocunque modo sie multiplicationder arbeiter verhindern: denn da dürften bald nicht mehr / danneine gewisse anzahl der meister in einer stadt seyn«. Um Meisterzu werden, sind unzählige Hindernisse zu überwinden, »sind dero-halben die vermaledeyten und als die ärgste pest von gantzTeutschland verfluchte zünffte die ursach / warum in Teutsch-land die manufacturen biß dato nicht haben über sich kommenkönnen«. Er bekämpfte die Zünfte wegen ihrer Monopolisierungs-bestrebungen, wie es schon Becher und Hornigk getan hatten,und forderte gleich ihnen mehr Achtung vor dem Handwerker-stand. Denn da »ein ieder dinten-lecker einem rechtschaffenenhandwercks-mann und künstler vorgezogen wird«, schicken »dieeitern nur die dummesten ingenia auff die handwercke«. Was istdas Resultat davon? Daß zur Einführung neuer Industrien, diedas Land heben sollen »lauter dumme narren und ochsen-köpffe«übrig bleiben, und daß natürlich die tüchtigen Meister auswandern,denn »die ehre ist gleichsam die ernehrerin der künste«. Diedritte Ursache für die traurigen gewerblichen Verhältnisse siehter in dem »geitz der herrschafften / und das dahero ent-stehende übele tractament der einkommenden arbeiter und künstler«.Denn wenn einer etwas erworben hat, »fällt man auff ihn wie die
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