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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
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raben auff ein aaß«. So vertreiben sie die tüchtigen Hand-werker aus dem Lande und halten fremde fern. »O des großenUnverstandes solcher Obrigkeiten / die da nicht verstehen nochwissen / was es seye / nahrhaffte unterthanen haben!« 89 )

Der Förderung der Manufakturen in ihrem Konkurrenzkämpfekonnte eine billige Produktion am besten dienen; wer die ge-ringsten Plerstellungskosten hatte, konnte die Gegner am leichtestenunterbieten und verdrängen: das aber war das Ziel merkantilistischerProduktion. Natürlich sollte auch die Güte der Waren beachtetwerden. Deshalb müssen die Lebensmittel wohlfeil sein; dieVorschriften, die Schröder zu diesem Zweck gibt, ähneln denenseiner Vorgänger. Es soll »keine impost auff essen undtrincken gesetzet«, aber die Ausfuhr von Getreide und Weinnicht gestattet werden; ferner »daß in den Städten eine freyeund ungehinderte zufuhr aller victualien / so wohl den unterthanenals fremden / erlaubet werde«. Auf die Vorkäufer soll scharf auf-gepaßt werden, damit sie nicht vor den Toren Lebensmittel ein-kaufen 90 ). Die aus dem Mittelalter überkommene Nahrungsidee,die einer sozialethischen Auffassung entstammte, ließ sich auchin der merkantilistischen Zeit verwenden, indem man das »freyecommercium« proklamierte: das bedeutete nicht etwa den Frei-handel in unserem Sinne, auch nicht die Gewerbefreiheit,sondern es hieß gleiches Recht für alle, um die unumschränkteMacht des Staates nicht durch Privilegien sei es rechtlichgarantierte, sei es tatsächlich vorhandene zu stören. Deshalbwar man allen Verabredungen abhold gesinnt. Doch nur solangeman diesem mittelalterlichen Gedankenstrange folgte, sobaldman kapitalistisch dachte, konnte man sich auch für »Com-pagnien und Mascopien« begeistern. (Ich will immer wiederdieses Nebeneinanderhergehen der verschiedensten Wirt-schaftsauffassungen betonen, um ihre Abhängigkeit voneiner anderen Gesamtidee zu beweisen.) So sagt Schröder: dieObrigkeit solle nicht gestatten, »daß ihrer etliche oder alle con-spiriren und einen vergleich unter sich machen«. Ebensowenigrichtig ist es, wenn in einem Mißjahr der Adel, der seine »bödenund getraid-kästen« voll hat, das Getreide zurückhält, um denPreis zu steigern. Deshalb ist die Errichtung »eines allgemeinenGranarii oder getraide-kastens« sehr wichtig, wie es in einzelnenStädten schon existiert. »Alles Getraide / butter / käß und der-gleichen unentbehrlicher victualien . . . welche von den fremdenkauffleuten auff den marckt gebracht und nicht verkaufft werden«,