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keit, des Friedens und der Wohlfahrt von Land und Leuten.Friede und Gerechtigkeit »küssen einander nach der Lehre desKönigs Davids«, »Auffnehmen und Wolfahrt« der Leute wurzeln»in guter Nahrung und Vermehrung der Leute und ihresVermögens / Flandels und Wandels / der Haupt-Zweck dessenallen ist die Heylsame erhaltung der Policey / oder gantzen Re-giments in seiner Ehre / Krafft und Hoheit / und das letzte Zielist die Ehre Gottes« 26 ). So gibt er allem die religiöse Grundlage.Die Untertanen müssen ein ehrbares und züchtiges Lebenführen: einen rechtmäßigen Beruf ausüben, den Müßiggang ver-meiden, die gebührliche Standesordnung erhalten. Die Gerechtig-keit erfordert gleiches Recht für alle, und in Abschaffungder Laster und Missetaten besteht eine Pflicht der Obrigkeit,
»denn eben umb des Willen.haben sich Anfänglich durch
Göttliche Schickung so viel Tausendt Leute unter den Schutz eineroder wenig Personen begeben / unnd denselben so viel Macht /Vorzug / unnd Gewalt eingeraumet«. Das klingt auch nach demHobbesschen »bellum omnium contra omnes«. Wegen der Güterist verordnet, daß keiner es veräußern darf, um die Schuldenabzuwälzen, daß sie »richtig versteinet und verreinet« sein müssenund ein »Fluhrbuch« über sie geführt werde 28 ).
Da Seckendorff beabsichtigt, eingehende Vorschläge fürdie Verwaltung eines Staates zu machen, kommen die reinökonomischen Darlegungen bei ihm etwas kurz weg.Auch sie ordnen sich aber seinem theokratisch-eudämonisti-schen Grundprinzip unter und wurzeln im Merkantilismus.Der Zweck der Gesetze geht dahin, »daß der Leute uh Unter -thanen viel und dieselbe auch Gesund / und also zu ihrer Ver-richtung tauglich und geschickt seyn mögen«. Deshalb gibt ersozialpolitische Anweisungen: Erhaltung des Ehestandes,Sorge für Hebammen, für die Waisen, Bestellung von Ärzten,Aufmerksamkeit auf reines Wasser, gute Luft, Sauberkeit in denStädten und Maßnahmen für die Ernährung 27 ). Auch Seckendorff huldigt noch der Nahrungsidee, wenn er sagt: »Daß keinemUnterthanen die Notturfft zu seinen Lebens-Mitteln... mangele«;deshalb soll der Überfluß des Landes wohl in acht genommenwerden. Der Erhaltung guter Nahrung dient zunächst einegute Erziehung der Jugend und die »Ordnung über alle Pland-thierung und Nahrung im Lande«. Ihn leiten dieselben Gründe,die für die anderen Kameralisten ausschlaggebend waren: »Damitein Jedweder Gewerb durch so viel Leute / alß es nöthig und müg-