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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
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»weiln daß gemüntzte Geld allen Dingen einen Werth uhAnschlag machen / auch billich in allen Landen gelten soll«,könnte man leicht die alte Vorstellung wiederfinden, daß die Prä-gung das Wesentliche an der Münze sei, und der Metallgehalterst in zweiter Linie käme, wenn er sie nicht mit der Bemerkungabschwächte: man sehe »daß mit guter und gerechter Müntzein Gold und Silber durch viel Königreiche und Lande zu kommen /so erfodert die hohe Noth / daß auch das Geld seine gewissegute und Masse habe«. Deshalb braucht die Münze richtiges Ge-wicht und Gehalt, die Münzordnung im Reich bestimmt, »wie vielStücke von jedweder Müntze . . . auff eine Marek . . . gehen /und auff den Gehalt«; ferner »daß niemand Müntzen soll / alß dersolches Regals genugsam befugt sey«. In den Reichskreisen isteine Aufsicht nötig, auch sollen die Stände alle Jahre die Münzenprüfen. Trotz des Regals ist der Fürst an die Reichsmünz-ordnung gebunden, betont Seckendorff , der noch immer ziemlichfest für den Reichsgedanken eintritt. Auch das Gewissen ver-pflichtet den Herrscher, das Regal nicht ungebührlich zu gebrauchen:»Sintemahl es ja der schändlichsten und schädlichsten /Gewinn einer ist da unter dem öffentlichen Namen und Zeichender hohen Lands-Obrigkeit / welcher sonst die Erhaltung allesrechts Billigkeit und Gleichheit / gebührt . . . das gantze und vielbenachtbarte Länder an statt auffrichtiger und allenthalben paßir-licher Müntze mit schändlich-gemischten / betrüglichen / un-würdigen Sorten erfüllet«, wodurch »viel Leute in Schaden undArmuth erbärmlich gesetzet werden«. Das Regal darf auch nichtverpachtet werden, denn Fürst und Kammer müssen zu allenZeiten für eine gute Münze sorgen und für den täglichen Bedarfdes gemeinen Mannes kleine Münzen schlagen 62 ).

Als drittes Regal nennt Seckendorff »Geleit und Zoll«.»Unter dem Wort Geleit / verstehet man in Gemein alles das /was die hohe Lands-Obrigkeit zu sicherer und bequemer Geleitung /forthelffung und Erhaltung der im Lande reisenden / sonderlichaber der Handelsleute verordnen und schaffen muß«. Dazu gehörtdie Beschützung der Straßen, Erhaltung der Brücken usw. Ausdiesem Geleit, das in früheren Zeiten sehr nötig war, ist der Zolloder Mauth entstanden; auch dieses Regal ging vom Kaiser aufdie Fürsten über. Heute wird die Sicherheit des Landes durchdas Mittel der »Ampts-Defension« gewahrt, die Geleitsobrigkeitschuldet für den Zoll sichere Passage; an den wichtigsten Stellenwerden Geleitshauptleute mit Zöllnern und Schreibern eingesetzt.

Beiträge zur Geschichte der Nationalökonomie. Heft 2 , 28

Zielenziger, Die alten deutschen Kameralisten.