Druckschrift 
Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
Entstehung
Seite
357
Einzelbild herunterladen
 

357

befehlen und Quittungen belegt sein müssen. Weil nicht alles zurfestgesetzten Zeit einkommt, müssen beide Teile der Rechnung,Einnahmen und Ausgaben, auf einen Überschuß geprüft werden 66 ).Das mühselige Werk der Kontrolle hat der Rentmeister untersich, die Besichtigungen der Güter der »Castner«, die Schreibermüssen die Rechnungen »collationiren«. Als Zentralstelle dientdiesem komplizierten Mechanismus die Kammer: zu ihr fließtaller Überfluß an barem Gelde, denn alles wird bar abgeliefert;was aber zu Hof an Naturalien gebracht wird, wird in Geld um-gerechnet, daher das Getreide »alle Jahr nach dem mittelmässigenTax eines ieden Orts angeschlagen«.. Der Empfang wird quittiert,um aber den Geldtransport zu vermeiden, werden die Gelder bis-weilen am Orte selbst gezählt 67 ). Für alle Einnahmen soll eineGeneraltabelle existieren, daneben alle Jahre und jedes Quar-tal ein Überschlag gemacht werden. Dasselbe muß für dieAusgaben geschehen, wobei zu überlegen ist, wovon sie zu be-streiten sind, und ob man zu außerordentlichen Mitteln greifen muß:sei es die Auflage einer Steuer oder Inangriffnahme des fürstlichenVermögens, sei es der Verkauf eines Kammergutes oder die Auf-nahme einer Anleihe. Die Ausgaben dienen der »Fürstl . Hoffstat«,dem »Regiements und Staatswesen«, zu »milden Sachen«, zumBauwesen und zur Bezahlung der Schulden, für sie soll es be-sondere Beamte geben 68 ). »Endlich wird auch bey einer Fürstl.Cammer eine Hauptrent-Rechnung erheischet / welche derRentmeister zu thun hat / die dann nichts anders ist als diesummarische und hauptsächliche Beschreibung aller Ein-nahme und Außgabe im gantzen Lande«. Beim Abschluß sollder Fürst dabei sein, damit beraten wird, was mit dem Überschußgemacht werden soll 69 ). Nicht mit Unrecht hat man die Buch-führung, die Seckendorff empfiehlt, die kameralistische ge-nannt, bei der das Hauptgewicht auf dem Verhältnis zwischenangeordneten und vollzogenen Einnahmen und Ausgaben liegt.Daher bilden Einnahmen und Ausgaben zwei besondere Ab-teilungen, die in zwei Spalten zerfallen, da das Soll dem Istgegenübersteht. Die nicht eingegangenen oder verausgabtenBeträge bilden die Einnahme- oder Ausgabereste 70 ).

Den Schluß dieses Teiles bilden eingehendste Angaben überdie Bestellung des Hofstaats; hier kann Seckendorff in Vor-schriften und Verordnungen schwelgen, die uns im einzelnen abernicht interessieren können. Er will hier besprechen, was am Hoffür den Fürsten , seine Gemahlin, die Kinder und die Bedienten