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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
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unserm Fürstenthum und Landen in öffentlicher Übung sich be-findende Christliche Religion, in allen ihren Artickeln / ohn ver-rückt Erhaltung« finde. Ebenso soll er die alten Ceremonien auf-recht erhalten, das Predigtamt, die Schulen fördern, die Hospitälerund Waisenhäuser besichtigen 78 ). Und drittens erscheint derKammerrat, der alle Herrschaftsgüter und Regalien kennenmuß. Aber er darf nicht »mit Schaden und Beträngnüß andererLeute und unserer eigenen Unterthanen / unser Cammerwesenzu ergrössern«, denn seine vornehmste Pflicht ist es, zu allemtüchtige Diener zu bestellen, alle Besitztümer des Fürsten zu in-spizieren und für die Reparaturen zu sorgen. Er muß die nötigenInventarien anlegen, alle Einkünfte prüfen und danach die Bilanzaufstellen. Die Ausgaben unterstehen ihm in gleicher Weise, ermuß für die nötigen Vorräte am Hof sorgen, die Diener besoldenund darauf sehen, daß die Abgaben richtig einkommen 77 ).Das Interessante bei diesen Vorschlägen ist die Gliederung ineinzelne Ressorts der Verwaltung unter besonderen Leitern:so fordert Seckendorff einen Minister des Innern, einen Kultus-und einen Justizminister.

Der Bestellung der höchsten Landesbeamten folgt die derHof- und unteren Bedienten. An der Spitze des Hofstaatessteht der Hofmarschall: er muß tüchtige treue Diener anstellen,genaue Inventare anlegen, alle »Victualien« gut disponieren, alleWoche die Rechnungen erhalten, »darauß die Einnahme der Hoff-ämpter Justificiren, die Außgabe / sodann in Ordinariis nach unsermDeputat, in Extraordinariis aber auß unsern befehlen . . . ihre masseund Richtigkeit finden lassen.« Der Hofmarschall soll im Schlossewohnen, um täglich die Befehle des Fürsten entgegenzunehmen,und immer um ihn sein 78 ). Ihm zur Seite steht der Stallmeister, derden Marstall leitet, Pferde und Wagen besorgt und die Pferde-zucht beaufsichtigt 79 ), ferner der »Ober Comendant«, dem dieSicherheit des Landes anvertraut ist. Daher muß er es genaukennen, ein Verzeichnis der Soldaten und der Lehnsleute besitzen,er soll täglich »nach Kriegs und Hoff gebrauch das Wort oderLosung von uns empfahen«, alle Ankommenden notieren, dieWachen inspizieren, »die Nachtschwärmer uh Frevler aber / unddie zu verbottenen Zeiten in schenken sitzen von einander treibe«und seine Soldaten in guter Zucht halten. Er muß die Zeug-häuser, die anderen Orte und Festungen visitieren, alle Jahr eineBesichtigung des Kriegsvolkes veranstalten und im Krieg denOberbefehl führen 80 ). Für die fürstlichen Kinder wird ein »Hoff-