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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
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Hellern und Pfennigen zusammen getragen werden« 87 ). Vor allemmüßten die Unterthanen ihre Nahrung haben, denn es sgi einealte Regel, »daß an der Menge der Unterthanen das größteglück des Regenten gelegen, und daß solche der rechte Schatzder Lande sey«. Genügend Arbeit schafft genügend Leutemeint auch Seckendorff : wo ist also der Merkantilist, dem es nurauf die Menschenmenge ankommt? Man klagt in Deutschland über Arbeitermangel, sagt unser Autor, aber die täglich etwasverdienen wollen, finden nicht genug Arbeit. Es würde »in frie-dens-zeiten an leuten nicht ermangeln wenn man dem gemeinenmann ein erkleckliches und beständiges Verdienst schaffen kann«.Erfindungen machen viele brotlos. Die »Handthirung sollam meisten in solcher Materi bestehen, die im Lande mehrenteilsgezeuget« und nicht erst hineingeschafft wird 88 ). Die Nahrungmuß frei sein, nicht beschwert durch die Zünfte. Secken-dorff bekämpft sie mit ähnlichen Gründen wie die anderen Kame-ralisten und nimmt hier weit schärfer gegen sie Stellung als im»Fürstenstaat«: »Es nähret ein Handwerck das andere / und wo vielVolks ist / da sind viel Handwercker nöthig.« Die lange Lehr- undWanderzeit dient zu nichts. Was das Land selbst hervorbringt,soll nicht vom Ausland bezogen werden 89 ). Aus bevölkerungs-politischen Gründen befürwortet er die Kinderfürsorge, »dennan statt / daß viel Kinder ein Seegen Gottes / und ein Schatz deslandes sind«, halten viele sie aus Not für eine »straffe Gottes«.Die Kinder der Armen und die Waisen sollen in besonderenKinderhäusern zur Arbeit erzogen werden, »auff das Studirenmüßte in diesen Häusern gar nicht, sondern allein auff die Erziehungzur Handthierung gedacht« werden 90 ). Wenn es auch schon ineinzelnen Städten Waisenhäuser gab, gebührt Seckendorff dochdas Verdienst, die Aufmerksamkeit auch auf diese Frage ge-lenkt zu haben, die besonders nach den Wirren des Kriegesbrennend war.

Die Einnahmen des Fürsten zu vermehren ist schwer,lesen wir an einer anderen Stelle der »Additiones«, besser ist es,die Ausgaben zu vermindern 91 ). Wenn die Kammereinkünfte nichtausreichen, muß man auf andere Mittel sinnen. Liier billigt erdie Accisen, die er den Schatzungen vorzieht. Obwohl es aus-sähe, als ob die Reichsten von ihnen am wenigsten betroffenwürden, schade das nichts, es nütze sogar »in dem reiche Leuteviel Arme nehren / und mit ihrem Verlag und Zehrung dem Landemehr eintragen / als wenn sie mit Würderung ihres Vermögens ab-