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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
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geschrecket und vertrieben werden«. Er stellt also das Ideal dergrößtmöglichsten Produktion über das soziale Interesseoder glaubt beides miteinander verwirklichen zu können 92 ).Geringen Besoldungen ist er abgeneigt, weil die Diener sichdann auf anderem Wege schadlos halten. »Was also ein Regentmit großer Schärffe und vielem Unwillen im Hof- oder Bestallungs-buch ersparet, das entzeucht man mit doppeltem interesse denunterthanen, die doch endlich, wenn sie verarmt sind, in Verringe-rung allerhand gefälle dem Herrn es wieder abtragen« 93 ).

So zeigen die Erläuterungen des »Fürstenstaats« noch einmal,daß auch Seckendorff von einer Harmonie zwischen Volk undFürst ausgeht. Die Grundidee der Verwaltungsreform, dieihm vorschwebte, führte er rein empirisch bis ins einzelne aus:es galt, den Staat mit neuen Plilfsarbeitern auszubilden, einenandersgearteten Beamtentypus zu schaffen. Seine Forderungengipfeln in dem allesbevormundenden Staat, dessen bis insKleinste geregelte Institutionen das Modell eines deutschenFürstenstaates abgeben.

2. Christen-Stat. 1686.

Der »Christenstaat« ist, wenn auch dreißig Jahre später er-schienen, eine Fortsetzung des »Fürstenstaats«. Seckendorff huldigtvoll Eifer einem praktischen Christentum, und während erdort schon die weltlichen Staatseinrichtungen unter dem Gesichts-punkt christlicher Weltanschauung betrachtete, untersucht er hierdas religiöse Leben im Staate. So erhält sein Werk »teilseine apologetische, wesentlich gegen den Atheismus gerichtete,teils eine reformatorische Tendenz« 94 ). Er steht mit seinen Ge-danken in engster Fühlung mit den Pietisten, soweit sie denSchwerpunkt ihrer religiösen Überzeugung auf eine praktische Be-tätigung für das Christentum legen. Wenn auch alle Kameralistenihre Staatsanschauungen auf einer christlich-ethischen Grundlagebasierten, zeichnet sich Seckendorff durch eine besonders starkeBetonung des religiösen Endziels aus, wodurch die merkanti-listischen Ideen mitunter leiden.

In der Vorrede berichtet Seckendorff einiges über die Ent-stehung des Buches. Am Hofe des Kurfürsten Moritzvon Sachsen kam es häufig zu Debatten über den Atheismus,zu dessen Feinden auch der Kurfürst gehörte. Seckendorff pflegtesich dabei auf Pascal zu beziehen und schrieb selbst einen Tractat,der Beifall fand. Später arbeitete er ihn aus und zog vor allem