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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
Entstehung
Seite
364
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Philipp Jacob Spener zu Rate. Von Luther und aus reformiertenund katholischen Büchern übernimmt er manches, denn sein Vor-haben ist es nicht »Controversien zu tractiren«. Aber der Nameeines »Politici (dafür sie mich nach ihrer Gewogenheit rühmen)«würde »das Werck auch bey Welt-Leuten um so viel angenehmermachen« 96 ). Schließlich erläutert er den Titel des Buches undmeint: »Es eckelt mich das nicht gar reine oder hochteutscheWort / Stat / selbsten / weil es aber so gemein und bekandtworden / daß es nun wohl das Bürger-Recht in unserer Mutter-Sprache verdient zu haben scheinet / so habe ichs nicht ver-stoßen wollen / besonders weil es bey den vor dreyßig Jahrenausgegangenen Fürsten-Stat / wiewohl auch nicht gar gern / vonmir gebraucht worden« 96 ).

Im ersten Buch handelt der Autor »Von dem Christen-thum an sich selbst«, gibt also eine Apologie »wider dieAtheisten / Deisten und Heuchler«. Mit wenigen Worten wollenwir diesen Teil als Grundlage der späteren Ausführungen be-sprechen. »Es sind / so lange man Nachricht und Erfahrung hat /unter denen Menschen / welche ihren Verstand brauchen können /diese zwey gegeneinander streitende Meynungen / aus welchendie Erkäntniß und Erlangung der wahren Glückseligkeit fliessenmuß / gewesen / auch noch also anzutreffen / und werden wohl insolchem Gegensatz / so lange die Welt stehet / verbleiben / nem-lich: daß etliche / und zwar / dem äusserlichen Vorgeben nach /die meisten erkennen und bekennen / es sey ein GOtt / oder einGötüiches Wesen: Andere aber / und zwar / wenn man nach ihrenWorten urtheilen solte / die wenigsten / leugnen dieses / undwollen von GOtt oder einem Göttlichen Wesen nichts wissen« 97 ).Deshalb muß jeder sich prüfen, ob er einen Gott anerkennen will:die Gläubigen genießen das Seelenheil, der Atheist kennt keinJenseits, er will das Diesseits auskosten. Aber zu einem gottes-fürchtigen Bekennen gehört auch ein solches Leben, weist dochdie christliche Lehre darauf hin, daß bei Glauben und Gottesfurchtder Vorsatz eines bösen Lebens nicht bestehen könne 98 ). Viele, dieglauben möchten, stoßen sich daran, daß Gott nicht sichtbar sei,ist doch auch die menschliche Seele unsichtbar, selbst wenn dieAtheisten nicht an die Geister glauben wollen. Aber, entgegnetder kluge Seckendorff, »daß durch Zauberey unsichtbarerWeise/und also Krafft der Geister gewircket werde / ist mit Exempelnund Erfahrung bewiesen« 99 ). Zur Erkenntnis Gottes gelangtman durch die heilige Schrift; es ist dumm, wenn Menschen