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»menschliche Gründe und Schlüsse / ja die Zeugnisse andererBücher höher achten ... als daß sie den Grund der GöttlichenOffenbarung oder des Wercks Gottes gleichzu ergreiffen«. Diebiblische Wahrheit bewies sich durch die Erfüllung der Prophezeiung:»Ein unwiderlegliches Zeugniß von Erfüllung der Weissagungen inheiliger Schrifft giebt das Jüdische Volck selbsten täglich dergantzen Welt . . . mit seinem nun über sechzehenhundert Jahrcontinuirten elenden Zustand« 100 ). Die innerliche Pleiligkeit derLehre wurde der Anlaß, daß die ganze Welt sie annahm, denn»der endliche Zweck der Christlichen Religion ist GOTT selbsten«. Die menschliche Glückseligkeit besteht nicht infleischlichen Dingen, sondern in der Unsterblichkeit; diejenigenalso, die, anstatt diesem Ziel nachzustreben, nur zeitlichen Dingennachgehen, bedenken nicht das Ende 101 ). Die Heiden und Athe-isten halten den Tod für das größte Übel, »das Christentumaber setzet der ewigen Seligkeit entgegen nicht den zeitlichenTod / sondern die ewige Verdammniß und Höllen-Pein / oder denewigen Tod«. Er ermahnt den Menschen sich selbst zu er-kennen, das sei die erste Stufe jeder Weisheit. Glauben und Sakra-ment führen schließlich zur Seligkeit 102 ).
Das zweite Buch spricht »Von der Verbesserung derStände nach dem Grund des Christenthums und dessen Haupt-Zwecks / nemlich der wahren und ewigen Glückseligkeit«; gibtdamit eine Reform des bürgerlichen Lebens. Durch Beobach-tung des Hauptzwecks, der »wahren und ewigen Glückselig-keit« wird »der Weg des menschlichen Lebens in allen Ständengebessert« werden 103 ), die er hier in den geistlichen, weltlichen undHausstand einteilt. Seckendorff erhebt die innere Glückseligkeitzu dem Hauptprinzip und postuliert einen Hedonismus, der mitdem objektiv eudämonistischen Ideal parallel geht.
Die Glückseligkeit des Hausstandes besteht in guter Ge-sundheit, Nahrung, Kleidung und anderer Lebensnotdurft. Aber inallem muß ein Maß herrschen. Seckendorff kann hier bei Besprechungdes weltlichen Lebens politische Vorschriften geben. Die Kleidungmuß einfach sein. »Bey vielen tausenden dergleichen Leuten trägt esetwas merckliches aus / und das G el d / so hieran gewendet wird / gehtmehrentheils aus dem Lande an fremde Oerter / auch muß hin-gegen der Lohn ersteigert / oder andere nöthige Ausgabe nachge-lassen werden« 104 ). So wiederholen sich die Klagen von Osse her. Erbegeht nicht den Fehler anderer Merkantilisten, an die unbegrenzteProduktivität des eigenen Landes zu glauben er weiß, daß die