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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
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die interessanten Ausführungen, die er diesen Fragen widmet,nicht an der geeigneteren Stelle im »Fürstenstaat« macht, aberman war damals viel zu wenig systematisch durchgebildet, um instrenger Konsequenz beim Thema zu bleiben. Es mag auch sein,daß ihn die Erfahrung von dreißig Jahren vieles lehrte, besondersin der Zeit der Ludwigschen Raubkriege; waren doch die Kamera-listen alle Empiriker. Dem verhaßten Machiavelli folgt er inder Verurteilung der Werbungen; er will ein Volksheer.Die Obrigkeit hat ein viel besseres Mittel in der Heeresfolge,denn es ist nötig, »daß alle Untertanen sich in Waffen üben sollen«.Besonders der Adel ist dem Kriegsdienst verpflichtet. Man solltedie alte Art wieder einführen und das Volk bewaffnen; habendoch die Landsknechte Tüchtiges geleistet 109 ). Es entsprach demtiefen ethischen Gehalt der Persönlichkeit Seckendorffs, wenn ernicht nur an eine äußere Regeneration des Staates, sondernauch an die der Bürger dachte. Bei seiner christlichen Weltan-schauung wollte er auch die Seelen der Untertanen umbilden, ohnein ihnen Sklaven zu sehen, wie es die Absolutisten taten, auchauf diese Weise glaubt er die nationalistischen Ideen verwirklichenzu können. So erklärt sich sein Eintreten für die allgemeineWehrpflicht. War diese Forderung, die er wohl zuerst in Deutsch-land erhob, aber nicht auch Resultante der kollektivistischen Auf-fassung des Merkantilismus? In dem »Unmaßgeblich Be-dencken von der Beschaffenheit und Gebrauch des Landes-Defensioner oder des Ausschußes zu Fuß« tritt er für die »alteWeise« eines Volksheeres ein, weil es die Not erheische. »Ausdem Principio, welches hoffentlich keiner leugnen kan / daß nemlichein ieder schuldig sey / vor seinen eigenen Leib / Gut und Blut /und für seine Obrigkeit und Vaterland sich zu wehren:Solte man es durchaus für keine Schande / sondern so hochnöthigund unentbehrlich halten / als Reden / Lesen oder Schreiben / daßein ieder mit Gewehr und Waffen umgehen könte / und dasmüste in der Jugend / und nicht erst im Alter / angefangen undgelernet werden«. Deshalb sollte man in Städten und DörfernLeute haben, die solche Übungen abhielten. »Alle junge Purschein Städten / was über 17. Jahr wären / sie möchten in die Schulegehen . . . oder auff Handwercke gedinget seyn / wöchentlich einenNachmittag oder etliche Stunden zu exerciren / daß sie mit Mous-queten und Piquen umgehen / und Kriegs-Exercitia machen könten«Keiner soll ausgenommen werden, die Bürger brauchte man nurseltener zusammenrufen. »An statt anderer schädlicher und nichts-