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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
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Seite
368
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würdiger Spiele aber könte man durch Einlage eines wenigenGeldes unter jungen Purschen und den Bürgern praemia oder Ge-winnen auffbringen / die nicht nur für das Schiessen / sondern auchfür die Hurtigkeit in anderen Exercitiis .. . auszutheilen«. So hätteder Fürst in der Not viele tausend kriegsgeübte Männer; die Kostentrüge gleichmäßig das ganze Land 110 ).

»Nechst Erhaltung des Friedens wider gewaltsame Feindesuchen auch die Unterthanen bey der Obrigkeit Schutz und Friedeim Krieg Rechtens / das ist / wider allerley Unrecht«. Auchhier soll sie die christliche Liebe beachten: »Man würde wohlMittel finden / an statt der Straffen / welche die Verbrechernoch zu mehrern oder großem Ubelthaten veranlassen / anderezu ergreiffen / dadurch sie gebessert / und vom Bösen abgehaltenwürden« 111 ), sagt er ganz im Sinne der modernen Strafrechtspflege.

Unter dem Gesichtspunkte der christlichen Weltan-schauung untersucht er auch die wirtschaftlichen Verhält-nisse des Staates. Eine der größten Versuchungen der Obrigkeitist die Begierde nach Geld, daß sie es entweder vor Geiz auf-sparen oder es verschwenden will. »Zwar ist gar nicht zu tadeln /sondern vielmehr Lobens-würdig / wann ein Regent seine Cammer-Güter und Einlcünffte mit Fleiß in acht nehmen / und daraufftrachten lässet / auch selbst besorget ist / daß er sie auffs bestenutze«, nur darf das nicht geschehen mit Unterdrückung der Unter-tanen. Allein das Christentum kann den Fürsten davor bewahren,mahnt Seckendorff wieder, denn keineswegs ist die »allergrössesteSorgen des Christen auff zeitlich Gut gerichtet«; dann gäbees keine Klagen über Verschwendung und »über die Hinaus-schickung des in dem Lande so schwer auffgebrachten Geldesnach fremden Waaren« 112 ). So kommt auch Seckendorff zu einerVerurteilung des Geldexports für Luxuszwecke, die er mitsittlichen, nicht politischen Gründen zu stützen sucht. Er verwirftdie Alchemie, denn es gibt kein Land, das dadurch reich ge-worden ist: »es mangelt der Grund des Göttlichen Beruffsund des Segens / welchen allein die ordentliche Arbeit / nacheines ieden Stand / in rechten und ordentlichen Wegen vor sichzu hoffen hat« 113 ). Das ist eine echt protestantische Behaup-tung, denn für den Protestantismus, der den modernen Berufentdeckte und »das neue irdische Leben mit einer neuen Heilig-keit erfüllte«, hieß es, sich alles erarbeiten: die persönliche Ar-beit mußte sich durchsetzen 114 ). Daher verwarf Seckendorff dasIn-den-Schoß-Fallen der Reichtümer. Weil der F'ürst nur auf