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rechtmäßige Weise sich bereichern soll, muß er jedeMünzverschlechterung vermeiden; denn »gerechte undgute Müntze« sind »ein löbliches Stück der Obrigkeitlichen Ho-heit«. Solange man sich der inländischen Waren bediente, brauchteman auch weniger Geld, da war alles wohlfeil und die Münze gut.Erst von der Religionsspaltung her will Seckendorff dieMünzverschlechterung datieren »und sonderlich Anno 1620.1621. 1622. ist die unerhörte so genannte Kipperey verursachtworden / daß der Reichsthaler . . . von anderthalb bis funffzehngesteigert« wurde. Er will die Schuld auf die Münzmeisterschieben, das wäre aber nicht besser, »als wann ein Regent umein Stück Geld einem leichtfertigen Vogel Macht und Privilegiumgeben hätte / daß er im Lande wegnehmen und rauben möchte /was er könte« 116 ). Die Strafe folgte auf dem Fuß: Seckendorff erkennt rein empirisch die Wirkung der Geldverschlech-terung, während sie in England theoretisch formuliert wurde.So sagt er: »das gute Geld war aus dem Land verpartiret«. Erwill höchstens einen Schlagschatz einräumen 116 ). — Zu den ver-werflichen Mitteln der Geldvermehrung gehören auch Ämter-kauf und Monopolien, »da die LIerrschafften die Nahrung derÜnterthanen / neuerlich und wider Recht und Herkommen / ansich bringen« 117 ). Er erinnert noch einmal daran, daß das Volks-wohl das Wohl des Fürsten bedingt.
»Aus dem Christentum oder der Christlichen Liebe fliessetdie Vorsorge bey Gottesfürchtigen Regenten / daß die Unter-thanen bey ihrer Nahrung und Gewerbe / das Auskommenund alle möglichste Beförderung haben / und ihre Anzahl sicheher vermehre / als vermindere / weil auff der Menge wohl-genehrter Leute der grösseste Schatz des Landes besteht /und dazu ziehet nicht allein der eusserliche Friede / und dieMässigung der Obrigkeitlichen Macht / in Einbringung der Ge-fälle / Steuren / Schatzungen / Contributionen und Anlagen«,sondern auch alle anderen Anstalten zur Erhaltung und Ver-mehrung der Lebensmittel 118 ). Das Postulat der Menschenbilanzgründet Seckendorff auf das der genügenden Ernährung.Daher sind weder Müssiggänger und Bettler, noch eine großeKleiderpracht zu dulden, sondern Mäßigung in Zöllen und Accisen,der Bau von Straßen und Dämmen zu erstreben. Auch sollendie Fürsten »nicht selbst ihre eigene Ünterthanen / sonderlichHandels-Leute und Communen / mit Anlehen und Auffborgenerschöpffen«. Scharf ist gegen die Bankerottierer vorzugehen.
Beiträge zur Geschichte der Nationalökonomie. Heft 2 . 24
Zielenziger, Die alten deutschen Kameralisten.
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