Achtes Kapitel.
Johann George Leib.
Wenn es den österreichischen Kameralisten auch nicht ver-gönnt war, ihre Ideen sofort verwirklicht zu sehen, und vieles vondem, was sie erstrebten, ungetan blieb, so waren ihre Gedankendoch auf fruchtbaren Boden gefallen und hatten die Anregung zuneuen Untersuchungen und Diskussionen gegeben; eine rege volks-wirtschaftliche Literatur war in Deutschland erwacht,die sich mehr an diese Kameralisten anschloß, weil Osseund Seckendorff zu sehr die Verwaltungsfragen hervorhoben. Eswaren dies Schriften, die auch noch nicht wissenschaftlichenCharakter trugen, wenn sie auch weniger durch unmittelbare An-weisung des Landesherrn entstanden. Diese Epigonen formulierendie alten Gedanken aufs neue: was sie aus eigenem geben, ent-stammt auch der Empirie, nicht der Abstraktion. Von ihnen, diefast gar nicht bekannt sind, wollen wir zwei Vertreter zu Wortkommen lassen, Johann George Leib und Theodor Lud-wig Lau.
Biographisch ist von Leib fast nichts zu berichten;es ist mir nicht gelungen in irgendeinem der alten Gelehrten-lexika, weder im Iselin oder Meusel, noch im Götten, Dunkel,Rathlef usw., auch nicht bei Pütter 1 ) irgendeine biographischeNotiz über ihn zu ermitteln. Eine ganz kurze Bemerkungfindet sich bei Jöcher , die aber nur zwei Werke von ihm nennt:»Kayser Karl V. Regierkunst oder väterliche Instruktionan seinen Sohn Philipp II. mit Anmerkungen«, Leipzig 1714und das Buch »Von Verbesserung / Land und Leuten usw.i7o8« z ). Unerwähnt blieb auch dort das Schriftchen »Ab-fertigung des Unfugs der Neuen Bibliothec, oder Nach-richten und Urtheil von neuen Büchern, wegen Caroli V.Regier-Kunst; Worinnen zugleich diese Bibliothec zu Dienstedes Liebhabers überhaupt beleuchtet wird«, Leipzig 1716, das ichauf der Kgl. Bibliothek Berlin ermitteln konnte, in dem er sichgegen eine Kritik seiner »Regier-Kunst Karls V.« wehrt. Ebenso