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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
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kurz erwähnt ihn Zincke in seinen »Leipziger Sammlungen«wo er ihn als Cammerath und als Schüler Bechers bezeichnet 3 ),während er seine Bücher in seiner Cameralisten-Bibliothekempfiehlt 4 ). Von seinem Leben wissen wir also nichts, alsdaß er Dr. jur. und Beamter war, was aus seinen Zuschriften inden »Vier Proben« hervorgeht. In wessen Diensten er gestandenhat, können wir auch nicht feststellen; er widmet zwar eine Schriftdem Fürsten Fürstenberg, eine andere dem Grafen Schaffgottsch,aber ob er bei ihnen als Beamter wirklich tätig war, sagt er nicht.Man könnte nun meinen, daß sich eine Würdigung Leibs nichtverlohnte, weil ihn nicht einmal seine eigenen Zeitgenossen derBesprechung für wert hielten. Das Urteil der Mitwelt darf füruns aber keine ausschlaggebende Bedeutung besitzen, weil es schonoft den falschen Weg gegangen ist. Mit Recht stellt ihn Roscherüber den Vielschreiber Marperger 5 ), der in seiner Zeit überausgeschätzt wurde. Es könnte ferner fraglich erscheinen, ob Leibwirklich ein Kameralist ist, aber diesen Zweifel wird eine Lek-türe seines volkswirtschaftlichen Buches sofort beheben, das ihn alstypischen Kameralisten zeigt*).

Von Verbesserung Land und Leuten /und wie ein Regent seine Macht und Ansehenerheben könne. 1708.

1. Erste Probe.

»Es sind viele / welche von dem Studio Camerali oder Oeco-nomiae Principis eine solche üble Opinion hegen / daß sie gäntz-lich vermeynen / eines großen Herrns Revenues könnten ohnmög-lich anders / als mit denen Thränen und Seuffzern derer Unternvermehret werden. Wie sehr aber diese sich hierinnen abusiren /solches kan daraus gar leichte erwiesen werden/daß dieses Studiivornehmster und einziger Endzweck sey / die Unterthaneninsgesammt in einem beständig beglückten Wohlstand zusetzen / und nur von ihrem Uberfluße des Landes Herrns Ein-künfte billigerweise zu vermehren / und seine Macht und Ansehenzu erheben.« Die einleitenden Worte der Vorrede kenn-zeichnen Leib als typischen alten Kameralisten. Er ver-

*) In der modernen Literatur wird Leib in Diehl-Momberts AusgewähltenLesestücken zur Politischen Ökonomie, Bd. VI: Bevölkerungslehre genannt (Karls-ruhe 1912, Einl. S. 7; S. 24/25). Wenn Mombert ihn als Vertreter der deutschenMerkantilisten über die Bevölkerung sprechen läßt, tut er ihm eigentlich zu viel Ehrean, da er auch hier in den Bahnen der österreichischen Kameralisten wandelt.