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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
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374
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wahrt sich von vornherein gegen jeglichen Fiskalismus, sondernwill als Privat- und Volkswirt das Fundament der fürstlichenWirtschaft »nicht so wohl auf ein blosses und vielmahls mit lauterUnbeständigkeit und Schaden des Landes bekleidetes Interesse«,sondern auf »des Landes Wohlstand« setzen. Es klingt nach einerBilanz kameralistischer Ideen, wenn wir von ihm hören: »Ich habemich diesem nach darinnen zuzeigen befließen / wie des LandesWohlstand oder derer Untern Wohlseyn mit dem Interesse ihrerObern unzertrennlich verknüpffet / und dieses das wahre und einzigePrincipium des gantzen Studii Cameralis sey; Worbei ich in Er-hebung derer Kräffte des Landes meine gröste Grund Regelseyn lassen / das Geld im Lande zubehalten / und von denenandern hereinzubringen«, um den Wohlstand des Landes, der Unter-tanen und des Fürsten zu befördern 6 ).

Leib beginnt sein Buch mit einer Untersuchung des »Wohl-standes des Landes« und führt hier die Gedanken näher aus,die er in der Vorrede als Prämisse aufstellte. Wir werden sehen,wie sehr er Schüler der Österreicher ist. »Zu wünschen wäre eswohl / daß eine jede Obrigkeit sich vielmahls das Gemeine Beste /und derer Unterthanen Zustand besser behertzigen ließe / und ingenauere Consideration zöge / wie ohne derer Untern Wohlseyn /ihr Wohl ohnmöglich blühen / und befördert werden könne.« Denndie Untertanen ohne Nahrung werden erschöpft, und ein Herr hatvon ihnen wahrlich nichts zu erwarten. So bleibet der »unumb-stößliche« Schluß: »Daß / wenn ein Landes-Herr / Regentoder. Magistrat sein Wohlseyn / Macht und Ansehen mitBestände befördert wissen wolle / Er vor allen / vor dieWohlfahrth seiner Unterthanen eyfrigst besorget lebenmüsse« 7 ). Auch Leibs Merkantilismus ist in einer eudämonisti-schen Weltanschauung verankert. Die erste Pflicht für denRegenten sei daher, daß er selbst mit Hand anlege und versuche,seinem Lande zu helfen. Leib will nicht nur viel Menschendas Land bevölkern lassen, sondern auch brauchbare; man sollebedenken, sagt er, daß nicht »ein jeder Unterthan in einer Stadtoder Lande ein Nahrhaffter Unterthaner / viel weniger ein jederNahrhaffter . . . dem Lande und Publico nützlich und zuträglichsey«. Das führt ihn dazu, in ganz demokratischer Weise Hof - undEdelleute, die nur Geld aus dem Lande führen und sich von desBauern Schweiß ernähren, Richter und Advokaten, ebenso dieSoldaten, wie auch Müßiggänger und »vagirende Handwercks-Gesellen« für unproduktiv zu erklären, daher kommt »die gantze