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Nahrung auf den Bauer / Handwercksmann und Kauff-mann bloß und alleine an« 8 ). Deshalb muß der Fürst diese Ständevermehren, vor allem aber die Kauf- und Handwerksleute, dieGeld ins Land bringen, denn wenn er noch so viel Handwerkerallein gewinnen wollte, würde er »ein sich und dem Lande höchstschädliches Polypolium, bey welchem nur einer neben dem andernruiniret würde« bewirken 9 ). Um seine Behauptungen besonderszu bekräftigen, wendet Leib stets die Methode des Einspruchsan, den er dann widerlegt. So meint er hier, würde man ein-wenden, der Regent solle nur auf die Vermehrung derUntertanen achten, da ja bei der Menge es immer einer demandern zuvor tun würde, so daß selbst die Armen es vorwärtsbrächten. »Nun ist wohl nicht zu leugnen«, wendet er ein, »daßeine volckreiche Gemeinde ein grosses zu einer Stadt und Landes-Auffnähme contribuire«. Aber es sei nicht genug, »daß einUnterthaner sich im Lande nehret / sondern er soll auch mitseiner Nahrung / die Nahrung aus andern Ländern / u. mitdieser dz Geld ins Land ziehen«, deshalb soll der Staat »denwerbenden Kauff- und Handwercksmann / und durch diese Nah-rung und Reichtumb zuförderst ins Land ziehen . . . denn ist imLande Nahrung und Geld / so folgen die übrigen Professionen undUnterthanen von selbsten« 10 ). Erst die Produktion schafft denSegen.
Der ökonomische Merkantilismus verlangte energisch denFortschritt, deshalb sagt Leib mit Recht, daß es keinen noch sogut geleiteten Staat gäbe, »so nicht noch hier und dar in diesenund jenen verbessert un cultificiert werden könne« 11 ). In dieserZeit glaubte man aber nicht an Kräfte im Volk, die sich empor-arbeiten könnten, sondern hielt die Konzipierung neuer Ideen durchdie Staatsleitung für die Bedingung jeglicher Entwicklung. Leibermahnt den Fürsten zur Initiative. Noch immer gäbe es vielewüste unbebaute Gegenden, die mit Nutzen angebaut werdenkönnten; wodurch die Einwohnerzahl und die Höhe der fürst-lichen Gefälle vermehrt, und die Untertanen im Lande besserverteilt würden 12 ). »Es wird zwar auff Seiten derer HerrenCameralisten insgemein darwieder eingeworffen«, daß die Wüste-neien nützlich wären. Seine Opposition gegen ihre Einwürfe zeigt,daß er sich nicht zu ihnen zählte. Auch der Einwand, die Vieh-zucht würde durch die Bebauung geschmälert, treffe nicht zu, daes »einen Staat allezeit nütz- und zuträglicher sey / wenn Erviele / obschon nur mittelmäßig reiche Unterthanen / als viele
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