37 6
arme Cossaten / Gärtner / Häußler und Tagelöhner / und nur wenigreiche Gerichts-Herrn / oder andere Unterthanen habe« 13 ). DiesenGrundsatz vertreten alle Kameralisten. Es könnten Teiche, Seen,Äcker, Gärten und Weinberge angelegt, Städte, Dörfer, Meierhöfeund Schäfereien errichtet werden. Deshalb soll der Fürst »die durchKrieg und der Religion wegen unschuldig Gedrückte und Ver-triebene« aufnehmen und ihnen gewisse Freiheiten einräumen 14 ).
Mit Recht wird die Pflege des Ackerbaues verlangt, da-mit »durch denselben vornehmlich ein grosser Überfluß von Lebens-Mitteln / auch andern nutzbaren Dingen / herfürgebracht« wird,so daß nicht nur die Einwohner im Lande bleiben, sondern auchFremde hereinkommen werden. Der Boden muß untersucht undseiner Beschaffenheit nach bebaut werden, sei es mit Getreide oderHopfen, sei es mit Tabak oder Flachs, ebenso müssen Obst- undMaulbeerbäume gepflanzt werden. Daneben gilt es, für die Vieh-zucht zu sorgen: Pferde und Schafe zu ziehen; auch soll dieSeidenzucht gepflegt werden, denn sie ernährt viel Gewerbe 16 ).Da auch Leib noch »alles dasjenige / was aus der Erde « gebrachtwird unter dem Ackerbau versteht, rechnet er den Bergbau hinzu.Die Bergwerke wären von größtem Segen, wenn nur die Deutschendie Schätze zu beheben verstünden. Eine Art, sie ausfindig zumachen, habe der »Herr Baron Schröter ... in seiner Fürst-lichen Schatz- und Rentkammer Cap. 56, § 6« gezeigt 18 ). Nunwird, meint Leib, oft eingewandt, die Bergwerke erfordertenviel Zubuße; was er nicht ableugnen will. Aber es käme aufeinen möglichst gewissenhaften Abbau an, jedoch dürfe der Regentihn nicht unterlassen, »und wenn Er auch weiter nichts / alsdie blossen darein verwendete Kosten ertragen solte: Dennes hat sich selbiger dieses gewiß und unfehlbar zu versichern / daßsein Land allezeit nun so viel / als aus denen Bergwerckenjährlichen erhoben wird / am Reichthume . . . zunimmet / unddie Unkosten immer nach und nach per circulum wieder bey Ihmeinlauffen« 17 ). Leib folgt hier so sehr den Spuren seiner Vor-gänger, daß er sogar deren Fehler zu übernehmen für nötighält: wären die alten Kameralisten wirklich schon Wissenschaftlergewesen, wäre dies wohl unmöglich gewesen.
Wie die seelische Harmonie so postulieren die Kameralistenein harmonisches Miteinanderarbeiten aller Berufe: DerBauer braucht den Handwerker und jener den Kaufmann. DerLandwirtschaft tritt also das Handwerk zur Seite. Denn wie nütz-lich die Manufakturen einem Lande seien, sagt Leib, zeigen