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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
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helfen 39 ). Interessant vor allem ist, daß ein Kameralist an demProjekt eines anderen Kritik übt, und daß Leib, der sosehr den österreichischen Kameralisten folgt, sich ihnen dochnicht gedankenlos anschließt.Alter als die Banken sind dieMontes Pietatis, die man besonders in Italien und in Spanien als »Alhondiga para los pobres« errichtete, deren Art aber schonGriechen und Römern bekannt war, die sie Aeraria nannten.Aber jetzt sind sie, wie Leib meint, so degeneriert, »daß sie mitRechte mehr Montes Impietatis denn Pietatis genennet zuwerden verdienen.« Die Montes sind aus Almosen gesammelt,um den Armen »sonder Interesse« zu helfen, sie vor Wucher zuschützen und den allgemeinen Wohlstand zu erhöhen. Daher sindsie sehr nützlich, borgen aber nur den Armen der betreffendenStadt, wo -der Mons ist, nichts den Reichen und den Kaufleuten,und zwar ohne Aufschlag, aber nur so viel, »als ein armer Mannsich zu retten . . . benöthiget«; kein Geld wird über ein Jahr undnur gegen gutes Pfand ausgeliehen 40 ). Die Befürchtungen, eskönnten nicht genug Gelder für diese Kassen einkommen, zer-streut er mit dem Hinweis, daß die Lotterien etwas dazu beisteuern,und die Fürsten einiges Kapital für diesen guten Zweck zuschießenkönnten. Eine andere Art von Montes bilden die Kinderspar-kassen, wie sie schon Obrecht befürwortete, was er aber nichtzu wissen scheint 41 ).

Ebensowenig kennt er die Obrechtschen Vorschläge füreine Feuerversicherung, denn seine »Feuer-Cassa« nimmt ihrenAusgang in Hamburg von der »Haverey«. Sie dünkt ihm vongrößtem Nutzen, »sintemahl die Gebäude sowohl / als deren Eigen-thums-Herren dadurch in ihrem beständigen Wohlstände könnenerhalten / die Städte nicht so leicht in desolaten Zustand / viel-weniger deren angesessene Bürger und Unterthanen in totalenRuin gesetzet« werden. Man sage deshalb von Hamburg : »InHamburg brennet kein Hauß ab«; gebe doch diese Kasse »einemLande gleichsam die letztere Force«. Sie ist nichts anderes »alsein gewisses Aerarium, worein die Eigenthums-Herren / dererHäuser darinnen eingeschrieben seyn / wenn ein Feuer-Schadegeschehen / etwas gewisses pro Cent oder Mille zu dessen Er-tragung abgeben müssen / und dieses Geld von daraus hinwiederumzur wider Auffbauung des ruinirten Grundstückes zum gemeinenBesten angewendet wird« 42 ). Zur Erläuterung schließt er dieHamburger »General-Feuer-Cassa-Ordnung« an 43 ). Ermußzu Hamburg viele Beziehungen gehabt haben, denn er ist der