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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
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erste Kameralist, der in einem deutschen Staatswesen seineVorbilder für die Durchsetzung der merkantilistischen Tendenzenfindet; war Hamburg doch wirtschaftlich weit fortgeschrittenerals das übrige Deutschland .

4. Vierte Probe.

In der Zuschrifft zu dieser letzten Abhandlung, die er demGrafen Johann Casimir von Wartenberg widmet, betontLeib noch einmal, wie segensreich es für ein Land sei, wenn dieUnterthanen in guter Nahrung sich befänden, daß es nicht End-zweck der Regierung sein könne, »alleine die Schatz- undRent-Cammer derer Regenten zu bereichern«. Das besteBeispiel eines fürsorglichen Fürsten biete König Friedrichvon Preußen , der den »vollkommenen Genium regnandi durchden sinnreichen Wahlspruch: Suum cuique« ausdrücke. Warten-berg war damals preußischer Ministerpräsident und hatte nachLeibs Meinung an der vortrefflichen Regierung »nicht geringenAntheil« 44 ;.

Gleich seinen Lehrmeistern warnt Leib vor den Gefahrender französischen Weltherrschaft. Noch immer war esLudwig XIV., der mit seinen Expansionsbestrebungen ganz Europa ,vor allem aber das schwächliche Deutschland bedrohte, und der1700 erfolgte Tod Karls II. von Spanien schien dem französischen Universalismus neue Wege zu weisen; dagegen mußten die deut-schen Nationalisten Front machen. Im dem Jahre, in dem LeibsWerk veröffentlicht wurde, schien die deutsche Sache gut zustehen; war doch Erzherzog Karl von Österreich als Karl III. inSpanien eingezogen. Warnend sagt Leib: »Wie ich denn auchdaher vom Anfänge des jetzigen Spanischen Krieges alsofort ge-urtheilet habe / wie dem Bourbonischen Hause die Monarchievon Spanien / weil dadurch alle Wohlfarth und Frey heit von^antz Europa periclitiret / schwerlich gelassen werden könne«;er fürchtet nicht nur die politische, sondern auch die wirt-schaftliche Übermacht Frankreichs: »sintemahln Frankreich / was zur Oeconomia regia gehöret / exact verstehet / und dieser-wegen die unarbeitsamen Spanier / wie es bereits schone thut /mit seiner ingenieusenNation, so viel immer möglich/meliren/hierdurch aber die anietzt in Spanien gäntzlich darnieder liegendeManufacturen in kurtzen auf einen weit andern Fuß setzen / mit-hin seine Commercien vor allen andern Reichen erhebenund ausbreiten . . . auch die ihme bißanhero gantz unmöglich ge-