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Zur Naturgeschichte des französischen Krieges / Ludwig Bamberger
Entstehung
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dürfniß, mehr in die Tiefe und in die Breite zu schauen, zumalgegenüber einer Erscheinung, welche so gewaltige Dimensionen aus-fällt, welche mit so stauncnerregender Gleichförmigkeit von denIndividuen aller Gegenden und aller Schichten in diesem großenLande sich geltend macht. Typische Einförmigkeit der Bildungs-und Denkweise war mau gewöhnt an den Franzosei; zu beobachten,allein daß der Gelehrte und Künstler von denselben groteskenWahngebilden werde ergriffen werden wie das Höckerweib, undzwar von St. Quentin und Colmar bis Marseilles uud Nantes/ ")das gereicht uns täglich zu neuer Ueberraschnng. Und das gibtanch den entscheidenden Ausschlag für. die Lösung der Frage nachder Tiefe, in welcher das Uebel entspringt.' Solche mächtige Lagersind nicht das Ergebniß vorübergehender Anschwemmung. Sie wachsenlangsam aus dem Schooß der Erde.

Eiues ist noch, was uus besonders in dieser Hypothese be-festigt. Beim Anblick der Herrschaft so thörichten und grausamenWahns, kommt uus auf einmal der Gedanke an die Familien-ähnlichkeit zwischen der Physiognomie dieser Vorgänge und anderer,die wir aus der französischen Geschichte kennen, die wir nur un-vollständig kannten, bis die eigenen Erlebnisse uns den richtigenBlick für die historischen Gründe gaben. Muß es nicht derselbediabolische Aberglaube au Verrath und Bosheit, dieselbe himmel-stürmende Windbeutelei gewesen sein, welche zu deu Katastrophenvon 1793 und 1794 führten? Und erkennen wir nicht auch indiesen Zügen die Abkömmlinge des Volkes, mit welchen sich dieWiderrufung des Ediets von Nantes , die Bartholomäusnacht, dieMonsterhcrenprocesse und der Albingenserkrieg im Schwünge durch-

Selbst im äußersten Osten, in Japan , China und Cochiuchina, traten anjedem französischen Individnnm genau dieselben Kraniheitsstimptome ein wie inParis . Ich werde in der Folge ein merkwürdiges Beispiel davon geben.

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