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Zur Naturgeschichte des französischen Krieges / Ludwig Bamberger
Entstehung
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wir nur dann erwarten, auf die rechte Fährtc zu kommen, wennwir auch ermitteln, welchen alten Vorzügen Frankreich seinen nichtzu entwurzelnden Credit, und welchen alten Mängeln wir unsernweitverbreiteten Mißcredit verdanken.

Auf diese Weise würde die Betrachtung auf die beste Art, d. h.mit der Einkehr in uns selbst, ihren Abschluß finden.

So viel steht fest: Niemand kann sich rühmen, vor dem 6. Juli1370 die Franzosen gekannt zu haben. Was in den Schriftenihrer grimmigsten Hasser und Verächter zu lesen steht, erscheintunzureichend und lückenhaft, verglichen mit den Urtheilen, welchehellte der mildeste unparteiische Beobachter über diese Nation aus-zllsprcchen sich gezwungen sieht. Ist dies einerseits vernichtend fürdie, welche ihr ehedem gern viel Schönes nachrühmten, so gereichtihnen andererseits zum Trost, daß selbst die Andersmeinenden nochein Stück weit mit ihnen zusammen irrten. Beiden käme es inso-fern zu statten, wenn man der Annahme Raum lassen könnte, daßgewaltige Erschütterungen plötzlich ungeheuere Verheerungen in derfranzösischen Natur angerichtet hätten, die zu den ältern Krankheits-anlagen derselben in gar keinem Verhältniß stünden. Doch wider-streitet eine solche Annahme von vornherein der richtigen Methode.In Frankreich allerdings, wo der ganze Sinn der Nation auf dasMachen gerichtet ist im Gegensatz zum Werdeil, gewahreil sie auchim Größten wie im Kleinsten stets das Gemachte, ine das Ge-wordene. Die Tiefsten noch sind diejenigen, welche jetzt den Verfalldem zwanzigjährigen Kaiserthum zuschreibeil; die Masse, nicht blos dieunterste, läßt sich nur zu Ursachen der bloßen und jüngsten Zu-fälligkeit herab, wie schlechte Verproviantirung oder schlechte Führungdes Heeres, Ueberzahl des Feindes, oder das stets zur Hand liegendeultiinura i-stu^ium: Verrath! Unserer deutsche Anschauungs-weise widerstreben solche Erklärungsweisen. Wir haben das Be-