führeil ließen? Und werden wir, belehrt von unserer eigenen Er-fahrung, nicht daran denken müssen, die ganze Geschichte dieserNation, sofern sie auf deren eigener Darstellung beruht, eiuerSichtung zu unterwerfen? Warum sollte in den Beschreibungenfrüherer Kriege beispielsweise weniger gelogen worden sein alsdiesmal, von. unvordenklichen Zeiten an bis auf Magenta undSolferino? Und wenn wir fehen, wie unendlich überlegen daswohlgeführte uud kaum geeiuigte Deutschland sich zeigt, müssenwir nicht rückwärts schließen, daß Frankreichs Stärke lange, langeauf der Schwäche der Auderu vorzüglich beruht hat? Dieß nichteinzusehen, ist ja einer der Hauptirrthümer, welcher die Verblendungjenseits so unheilbar erhält. Sie denken immer an die Siege,welche die erste Revolution über das deutsche Reich erfochten, undwollen zu Ehren ihrer Lieblingsheldensage nimmer glauben, daßuusere damals erbärmliche Verfassung einer der wesentlichstenFaetoren (wenn auch nicht der ausschließliche) ihrer Triumphegewesen.
Aber derselbe Grund, der uns zwingt die Wurzel der neuestenErscheinungen nicht an der Oberfläche zu sucheu, verbietet auch diefrüher erworbenen Anschauungen sammt uud sonders mit einemMal über den Haufen zu werfeu. So wie es jetzt sich zeigt, kanndieses Volk, so lange der Liebling uud Herrscher der Nationen,nicht die längste Zeit innerlich beschaffen gewesen fein. Ebensowenig wie an urplötzlichen Umschlag durch reiu zufällige Anlässe,ebenso wenig mag von uns geglaubt werdeu, daß Jahrhunderte langdas Urtheil und die Empfindung der gesitteten Welt sich im Weseneiner Nation gröblich getäuscht habe. Die Macht und der intellec-tuelle Einfluß Frankreichs müssen in nationalen Vorzügen begründetgewesen sein. Und wäre auch ihre ganze Staatsgeschichte umzu-schreiben — die Monumeute ihrer Literatur, die Leistungen ihrer