hervorzurufen, schnitt man die Möglichkeit jeder Erklärung vonvornherein ab. Man heuchelte Uebcrraschnng, man heuchelte dieAbsicht der Verständigung, eines so gröblich wie das andere, mitderselben knabenhaften Oberflächlichkeit, welche in allen Stücken dieEinleitung und Führung des Krieges kennzeichnet. Mau glaubtean nichts als an dcu Schall seines eigenen Wortschwalls, undsorgte nur für das eine, daß unter möglichst betäubendem Geschreikeine Stimme der Vernunft im Jnlande hörbar werde. Demgemäßwnrde auch, wie durch Jsrüme David und Conforten vorbereitet,der Schluß der ministeriellen Tirade von den in: Saale richtigvertheilte!? Claqueurs mit einem Douner von patriotischein Beifallbedeckt, daß die ehrlichen und halbwegs unabhängigen Mitgliederder Mittelparteien den Kopf verloren. Wenige Tage daraufschilderte mir einer derselben den Hergang genau wie ich ihn hi.ererzählte, und fetzte hinzu: „Als der Sturm vorüber war, sahenwir uns einander an, und fühlten etwas, wie wenn wir eineDummheit gemacht hätten; aber was wollen Sie, wer wagt imAligenblick zurückzubleiben, wenn eine große Versammlung inpatriotische Begeisterung ausbricht!" So weit war das erste^Kunst-stück gelungen. Vergeblich riefen einige von der Linken sofort,diese Erklärung sei gleichbedeutend mit einem Kriegsmanifest gegenPreußen, vergeblich suchte Arago das zu motiviren. Die Janit-scharen schrieen sie nieder, und nachdem die größte aller diplo-matischeil Ungebührlichkeiteu zum bestimmten Zweck begangeil war,verschanzte man sich wegeil jeder weitern Rechenschaft hinter dieinternationale Schicklichkeit. Die feile und tolle Ncgieruugspresse,die Leichtgläubigkeit und die Unwissenheit der Massen sorgten fürden Nest. Wenige Tage zuvor erst hatte die Verhandlung überden Gvtthard gespielt, ob als Vorbereitung oder als schüchternerVersuch, ist nicht zu sageil. Der ganze Strom der mühsam der-
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Zur Naturgeschichte des französischen Krieges / Ludwig Bamberger
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