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Zur Naturgeschichte des französischen Krieges / Ludwig Bamberger
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haltenen Poltersucht brach jetzt los, die eben noch mit Mühe be-wahrte schönrednerische Mäßigung dürstete nach Ausgleichung.

Die viel ventilirte Frage über den eigentlichen verantwortlicheilUrheber dieses Krieges ist von der öffentlichen Meinung Deutsch-lands und von allen Sachverständigen, die sich darüber anssprachcn,einmüthig laugst dahin beantwortet: daß keinem der in den Prozeßverwickelten Theile die Schuld abgenommen werden kann, wederdem Kaiser, noch seiner Regierung, noch dein Lande im Großen undGanzen. Einstweilen haben wir es hier mit der kaiserlichen Regie-rung, zunächst mit dem Ministerium Gramont, zu thun, denndieser war trotz oder vielmehr wegen seiner geistigen Geringfügig-keit vom 5. Juli an die Seele des Cabinets, und nicht Ollivier.Die Hauptillusionen des ganzen Jntriguenstückes, die Speeulationenauf Dänemark, Italien, Oesterreich, die deutschen Südstaaten,cvncentrirten sich in Gramonts leichtfertiger, noch mit dein Gasder Wiener Cavaliers-Atmosphäre angeblasener Persönlichkeit. Erwar auch der Mann, den nichtsnutzigen Zeitungen die Losung zumHalali gegen Preußen auszutheilen, der Ignorant, freilich nichtmehr der einzige, der sich einbilden konnte, das deutsche Volk werdesich sein Märchen von den iberischen Gelüsten des Königs Wilhelmaufbinden lassen und zu Frankreich halten. So erscholl denn amandern Mvrgen die Lärmkanone, die ganze Kette der Journaleentlang. Und hier ist der Ort, eine weitere Lüge dieser Negierungfestzuhalten. Sie behauptet, .von der öffentlichen Meinuug zumheftigen Auftreten wegen des spanischen Zwischenfalls gezwungenworden zu sein. Damit sagt sie eine wissentliche Unwahrheit.Sie, die Negierung, hat im besonderen Fall die ganze Hetze ange-stiftet, gerade wie sie auch die ganze Ueberraschung, die ihr alsVorwand dienen mußte, erfunden hat. Hätte Gramont sich nichtvon Cochery interpelliren lassen, nicht die famose Erklärung ab-