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Zur Naturgeschichte des französischen Krieges / Ludwig Bamberger
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richtet gewesen. Damals schon war an entscheidender Stelle be-schlossen, sich mit dem fürstlichen Verzicht nicht zu begnügen undeine ueue Herausforderung ins Werk zu setzen. Den unschuldigenOllivier ins Geheimniß zu ziehen war versäumt oder für über-flüssig erachtet worden, und so konnte der Arme in frommer Zu-versicht die Flüche der getäuschten Börse auf sich laden. Ob nochmehr Kunst dabei im Spiele war, das Spiel mit noch mehr Kunstgetrieben wurde, ob man sich der Unschuld des Großsiegelbewahrersabsichtlich bediente, um, wie es in der Börsensprache heißt, gewissePositionen möglichst vortheilhaft zn liquidiren darüber, wieüber so mauches Staatsgeheimniß, können nur die Bücher derWechselagenten Aufschluß geben. Aber Ollivier selbst sein Hanptist 6uch ohnedieß genug beladen ist von diesem Verdachte ge-wiß freizusprechen. Hat er nicht den Kopf des großen Großsiegel-bewahrers von Verulam, so hat er auch nicht dessen Hände. EinigeTage später sprach College Gramont in öffentlicher Sitzung überdieses unstaatsmännifche Verhalten das vernichtende' Urtheil,daßer sich um den im Flur umlaufenden Klatsch nicht kümmere."Das war die Strafe für den seltenen Moment unbewachter Ehrlich-keit, dem sich ein Minister überlassen hatte.

Gramont, der Held des Tages, fühlte sich um so größer.Ollivier, einst dem Namen nach der Chef des Ministeriums, hattedendummen Jungen" ruhig eingesteckt. Das Fabuliren nachBelieben kam nun erst recht in Zng. Aus dem in die telegraphischenMittheilungen übergegangenen Bericht derNordd. Allgem. Ztg."über Benedetti's letzte Abweisung in Ems machte Ollivier, imNamen des ganzen Cabinets sprechend, am 15. Juli ein offiziellesRundschreiben des norddeutschen Bundeskanzlers, und auf dieseneue Phantasie ward auch sofort die der Kriegserklärung gleichbe-deutende Eröffnung in der Kammer gesetzt. In kaum acht Tagen