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Zur Naturgeschichte des französischen Krieges / Ludwig Bamberger
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Wie wenig kann man über die Meinung der Massen schon zujener Zeit im Zweifel sein, wenn Rouher selbst einräumte eben dieserStimmung entgegentreten zu müssen,Das Land," sagte der Mi-nister dazumal,schwankt hin und her zwischen dein Wunsche deu Friedenzu erhalten und der Hoffnung, durch Krieg eine Gebietserweiterungzu erlangen." Und endlich ward in der Thronrede vom 18. No-vember 1867 aufs feierlichste der Form wie dem Inhalt nach ver-kündet, daß die richtige Politik in der Anerkennung der deutscheuNationalbestrebungen liege. Die betreffenden Worte des Kaiserslauten:Wir müssen vorbehaltlos (il kaut aooextsr traneliswent)die Veränderungen aeeeptiren, welche jenseit des Rheins vor sichgegangen sind; aussprechen daß, so lauge unsere Interessen undunsere Würde nicht bedroht sind, wir uns nicht in die Umgestal-tungen einmengen, welche auf Grund der Wunsche der Bevölkerungensich vollziehen." Dieser Schlußvorbehalt kehrt freilich beinahe regel-mäßig wieder; aber wer wollte es einem praktischen Politiker, undgar eiuem Virtuosen der Schaukelmethode, wer wollte es ihm derargwöhnischen öffentlichen Meinuug gegenüber verargen, daß er füralle Fälle eine solche Vieldeutige-Salvirungselausel anhängt? Undwie vorsichtig tritt er bei dem luxemburgischen Handel auf. Offi-ciell gelogen wie dießmal wurde damals allerdings ebenfalls, undebenso derb. Wer erinnert sich nicht, daß Rouher der Kammer er-klärt hatte, die Initiative sei von holländischer Seite ausgegangen,Frankreich sei nurgefolgt (c^ir'ils n'ont <zns snivi)," worauf derholländische Minister des Auswärtigen, von Schimmelpenninck, inder öffentlichen Kammersitzung der französische» Erklärung ein au-thentisches Falschheitszeugniß gab, dvcumentirend, daß, wie auch vonanderer Seite uuläugbar erwiesen, die ganze Stäche von Paris ausangesponnen und ihm zugebracht worden war.

Bei jenem Anlaß war in der That die Einverleibung des