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Zur Naturgeschichte des französischen Krieges / Ludwig Bamberger
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in welcher Napoleon plötzlich an die Invasion von 1814, an dieunheilvollen Verträge von 1815 erinnert, an den nationalen Erb-haß der Bauern appellirt. Wie die von Rouher richtig geschilderteöffentliche Meinung war jeder Einzelne der Gegenstand zweier verschie-dener Strömungen seines eigenen Empfindens und Denkens, Dernatürliche Impuls war der Krieg gegen Deutschland , die Ueber-legung dietirte den Frieden, und zuletzt unterlag sie. Wie ist esdoch merkwürdig, daß die beiden Männer, welche nacheinander zuWaffenstillstands- und Friedensunterhandlungen ins deutsche Lagerkamen, gerade diejenigen sind, welche am unablässigsten und un-versöhnlichsten dem kaiserlichen Regiment seine Nichtinterventionnach Sadowa vorgeworfen haben! Man schlage die Kammerver-handlungen des gesetzgebenden Körpers von 186670 nach. Jedesmalwenn die auswärtige Politik zur Sprache kommt, springen uns dieNamen Thiers und Favre in die Augen. Beide, wenn auch imInnern verschiedenen Lagern angehörig, predigten Deutschland ge-genüber dieselbe Lehre: die Einigung dieser Nation wäre ein Un-glück für Frankreich und deßhalb für die Welt. Kaum daß sie esfür nöthig hielten die Einigung unter Preußens Auspicieu für einenerschwerenden Umstand zu erkläreil. Schon die Sache an sich, un-abhängig von den Gefahren, welche aus der Natur des kriegerischenStaates, wie sie ihn sich vorstellen, entspringen, ist eine Calamität.Sie schwärmen, in unsere Seelen hinein, wohlverstanden nicht fürihr Land, fürFöderalismus." Die kleinen Staaten sind so glück-lich und solch ein Glück sür Europa ! Wie gönnen sie uns undandern diese Idylle rund um das eine und untheilbare Frankreich her. Mit Recht beruft sich Jules Favre irgendwo darauf, daßschon Cavaignac's Republik im Jahr 1843 nichts von der Unifi-cation Deutschlands habe wissen, nie sich zur Anerkennung derFrankfurter Regierung habe herbeilassen wollen. Mit Italien