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Die handelspolitische Stellung der deutschen Seestädte / von Theodor Barth
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Was ferner die Abwälzung der Zölle auf die Consumentenanlangt, so geht dieselbe sehr glatt vor sich. Dafs Jemand, umeine Waare ins Zollgebiet zu verkaufen, einen Theil des Zollesselbst trüge, kommt nicht vor, dagegen werden selbst kleine Un-ebenheiten der gesetzmäfsigen Tara dem Abnehmer im Zollgebietin Anrechnung gebracht. An der Bremer Börse beträgt z. B.die Differenz des Preises von verzolltem und unverzolltem Schmalznicht io JL per ioo Kilo, was genau dem Zollsatz entspräche,sondern io 1 ^ Jl, weil die amerikanischen Tierces 17 pCt. Tarahaben, während der neue Zolltarif nur 13 pCt. vergütet, somit inWirklichkeit einen Zoll von 10 Jl für 96 statt für 100 Kilo er-hebt. Auch die Unbequemlichkeiten der Zollabfertigung werdendurchweg in Form erhöhter Unkosten auf den inländischen Ab-nehmer abgewälzt.

Der bremische Handel war somit bei dem neuen Tarif nichtübermäfsig gefährdet. Wohl aber bot sich die Aussicht, als Partei-gänger der Schutzzöllner aufserordentliche Separatvortheilenatürlich ebenfalls auf Kosten der Consumenten zu erhaschen,wenn man die Theorie von dem Schutz der nationalen Arbeitauch auf den Seehandel ausdehnte. Dieser Verlockung habendenn auch bekanntlich im letzten Reichstage nicht alle Vertreterder Seestädte widerstanden.

Der Gedanke einer Besteuerung des indirekten Imports nachAnalogie der französischen surtaxe dentrepot tauchte plötzlichauf und wurde von dem bremischen Reichstagsabgeordneten auf !

den Schild gehoben. Dafs dieser damit seiner Vaterstadt zu |

nützen glaubte, ist mit eben solcher Sicherheit anzunehmen, wiedafs die diesbezügliche Mafsregel, wenn sie überhaupt konse-quenzenlos bleiben könnte und mit der nöthigen nationalenRücksichtslosigkeit gegen Holland und Belgien in Scene gesetztwäre, gerade auf Bremen vorübergehend Begünstigungen kon-zentriren, die nachtheiligen Wirkungen aber auf das übrigeDeutschland vertheilen würde. Andererseits aber lag es keines- *"

wegs aufserhalb des Bereichs der Möglichkeit, die surtaxe dentre-pot durchzudrücken. Die Neigung zu derartigen künstlichenRegulirungen des Seehandels liefs sich bei dem Alles vermögendenReichskanzler präsumiren. War aber nur der gute Wille vor-handen, so konnte man die schutzzöllnerischen Gegner leicht da-mit zum Schweigen bringen, dafs man ihnen die surtaxe als die