Druckschrift 
Die handelspolitische Stellung der deutschen Seestädte / von Theodor Barth
Entstehung
Seite
9
Einzelbild herunterladen
 

9

direkte Consequenz ihres eigenen Systems nachwies. Fernerkonnte man das Beispiel Frankreichs heranziehen, oder wenn mander Sache einen amtlich gelehrten Hintergrund geben wollte, aufdie Denkschrift des preufsischen Handelsamts vom April 1845recurriren, worin die Zuschlagszölle für die indirekte Einfuhr prin-cipiell empfohlen werden.

Trotzdem ist Bremen , soweit seine officielle Vertretung inFrage kommt, durchaus freihändlerisch geblieben.

Auch andere deutsche Seestädte hätten bei ähnlicher Ab-wägung ihrer Interessen ein schutzzöllnerisches Resultat erzielenkönnen. Aber keine einzige deutsche Seestadt hat eine derartigeKirchthurmpolitik getrieben.

Woran liegt es denn nun aber, dafs keine derselben demBeispiele französischer Seestädte gefolgt ist oder dem Andrängender theilweise dem Einflufs wie der Zahl nach ziemlich starkenschutzzöllnerischen Minoritäten innerhalb der eigenen Mauern nach-gegeben hat?

Sollte so viel Idealismus in den Seestädten politisch zur Gel-tung kommen, in den Seestädten, die jeder Schwärmerei abgeneigtsind und deren beste Kraft im praktischen Leben aufgeht? Ganzgewifs nicht. Interessen sind gewifs mafsgebend für diehandelspolitische Stellungnahme der deutschen Seestädte, aberdie dauernden Interessen, nicht die des Augenblicks. DieSeestädte operiren, wie Capitalisten, die auf kleine augenblicklicheAnnehmlichkeiten verzichten, indem sie ihr Geld in ein Unter-nehmen stecken, um dauernde Vortheile dagegen einzutauschen.Sie haben den Egoismus von Leuten, die der Henne, welche ihnengoldene Eier legt, den Hals nicht umgedreht wissen wollen, soviel man ihnen auch vordemonstrirt, dafs die Henne nothwendiger-weise den ganzen Leib voll Gold haben müsse.

Sie treten für die Interessen der Allgemeinheit auf, weil siefühlen, dafs ihr eigenes Wohlbefinden von dem wirthschaftlichenWohlbefinden der ganzen Nation untrennbar ist. Sie fürchten dasSchutzzollsystem wie eine falsche Heilmethode, die den Körpermomentan belebt, um ihn schliefslich noch kränker zu machen, alser vorher war.

Nichts ist deshalb auch unbegreiflicher, wie die Schutzzoll-