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Die handelspolitische Stellung der deutschen Seestädte / von Theodor Barth
Entstehung
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nerische Behauptung, die Seestädte hätten kein Herz fiir diedeutsche Industrie oder die deutsche Landwirtschaft.

Nirgends wird der enge Zusammenhang zwischen der Blüthedes Handels und der Blüthe der anderen Productionszweige demeigenen Beutel so beständig fühlbar gemacht, wie gerade in denSeestädten.

Dieser weiter schauende Egoismus treibt die Seestädte zu-gleich dazu, ihre Stellung in den wirthschaftspolitischen Kämpfender Gegenwart nicht von Fall zu Fall, von Interesse zu In-teresse zu bestimmen, sondern unter Abwägung des Wesentlichengegen das weniger Wesentliche principiell zu nehmen. In die-sem Sinne sind die Seestädte principielle Anhänger der Handels-freiheit.

Diese Durcharbeitung bis zum Princip ist natürlich nicht vonheute zu morgen geschehen, sie ist bei den einzelnen Seestädtendie Folge der verschiedenartigsten Ursachen, sie ist endlich ineinzelnen Plätzen kaum zum Bewufstsein gekommen.

Im Allgemeinen aber hat sich bereits ein bestimmter poli-tischer Instinct herausgebildet, der allen schutzzöllnerischen Expe-rimenten abgeneigt ist.

Dieser freihändlerische Instinct ist die eigentliche Deckungfür diejenigen, welche mit völligem Bewufstsein des endlichen Zielsbeider Bewegungen das Schutzzollsystem bekämpfen.

Es ist in hohem Grade interessant, den Ursachen nachzu-spüren, welche gerade den deutschen Seestädten diese Entwicklunggegeben haben.

Dieselben sind geographischen wie historischen und poli-tischen Charakters. An sich wird jede Seestadt vermöge ihrerLage am Meere, welches allen Nationen gemeinsam ist, vermögedes fortgesetzten Verkehrs mit fremden Völkern, ja schon ver-möge ihrer ganzen Existenz, welche ohne einen internationalenWaarenaustausch nicht denkbar ist, dahin gedrängt werden, einemöglichste Handelsfreiheit anzustreben. Für Deutschland trifftdies besonders zu, da die deutschen Seestädte noch mehr wiedie Seestädte irgend einer anderen grofsen Nation zugleich dieAus- und Eingangspforten anderer Länder sind; sie fungiren alssolche für die Schweiz , für Oesterreich-Ungarn und für Rufsland.