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Die handelspolitische Stellung der deutschen Seestädte / von Theodor Barth
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Doch genug der Analogien, die uns zu weit von dem eigent-lichen Thema abbringen.

Weiter nach Westen zu erscheinen die Interessen der deutschen Seestädte weniger abhängig von der Aufrechterhaltung des Frei-handelprincips, und hier würden deshalb die schutzzöllnerischenIdeen leichter Eingang gefunden haben, wenn man, ähnlich wiein Frankreich , die Seestädte schutzzöllnerischerseits zur Gewinn-betheiligung veranlafst hätte.

In Wirklichkeit wurde denn auch in Bremen sowohl wie inHamburg vor 1848 von einflufsreichen Kreisen für die Besteuerungdes indirecten Imports und die Benachtheiligung fremder Flaggennicht ohne Eifer und mit viel Geschick gewirkt. Vorbereitet wardiese Bewegung dadurch, dafs man in den beiden genanntengrofsen Seeplätzen die politische Zerrissenheit Deutschlands auchin handelspolitischer Beziehung auf das bitterste und mehr nochals im Binnenlande empfand und deshalb den Erlafs einer deutschen Navigationsacte, welche die deutschen Staaten im Verkehr mitdem Auslande als Angehörige eines Landes und einer Flaggezur Geltung gebracht hätte, als eine besonders erstrebenswertheMafsregel ansehen mufste. Die Navigationsacten anderer Völkerfanden aber ihren Schwerpunkt in den Begünstigungen desnationalen Handels gegen den fremden, und so verbanden sichauch in Deutschland schliefslich die anfänglich rein nationalenBestrebungen mit den schutzzöllnerischen Wünschen einer ein-seitigen Begünstigung des deutschen Seehandels.

Diese Entwickelung ist in den Hansestädten ziemlich deutlichzu verfolgen. Die bremischen Denkschriften vom 11. Mai 1839und 1. Juni 1842 (anonym publicirt) sind in dieser Beziehung sehrinteressant. Der Wunsch nach zollpolitischer Begünstigung derdeutschen Seestädte den concurrirenden niederländischen gegen-über tritt darin schon leise hervor, aber sehr geschickt weifs deranonyme Verfasser der Denkschrift von 1839 diesem Wunscheseinen accessorischen Charakter zu wahren:

«Die deutsche Küstenstrecke an der Nordsee sosagt er verknüpft mit dem Zollgebiet das gleichepolitische Band, ihre materiellen Interessen gehen mitden seinen Hand in Hand. Ihre beiden Weltmärkte aber,