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Die handelspolitische Stellung der deutschen Seestädte / von Theodor Barth
Entstehung
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Hamburg und Bremen , sind darin von den nieder-ländischen noch insbesondere verschieden, dafs, wenndie letztem selbständigen, ein getrenntes Interesse ver-folgenden Handels Staaten angehören, die ersteren nurselbständige Handelsstädte bilden, deren Handelsprovinznur natürliche, keine politischen Grenzen kennt.Kann sich schon im Innern des Vereins das Bewufstseinder Homogenität seiner höheren Verkehrsinteressen mitdenen der Hansestädte, des Umfangs und der Mannich-faltigkeit der gegenseitigen Berührungen, um der sieörtlich von einander scheidenden deutschen Zwischen-gebiete willen, begreiflicherweise nicht so allgemein undunwillkürlich aufdrängen, wie es bei unmittelbarer Grenz-nachbarschaft der Fall sein würde, so hat dasselbe dieHansestädte dagegen längst und vollständig durchdrungen.Dem Lebensprincipe derselben gelten die gewerbreichen,absatzbedürftigen, zugänglichen Districte des deutschenBinnenlandes für - ebenso nah und ebenso unentbehrlich,wie die umgebenden Nachbarstaaten. In ihren Functionenvon ihnen verschieden, wirkten sie gemeinsam dem näm-lichen Ziele zu. Wenn Hamburg und Bremen alle diemateriellen und intellectuellen Elemente, welche sie be-fähigen, den deutschen Weltverkehr zu vermittelngünstige Lage, Häfen, Schiffswerfte, Capitalien, Assecuranz-und Wechselinstitute, eine seegewohnte, unternehmende,handelskundige Bevölkerung, einen Schatz erworbenerErfahrungen und angeknüpfter Verbindungen mit denentlegensten Zonen der Erde in gleich hohem, jatheilweise höherem Grade besitzen, wie ihre Concurrentenan den Ausflüssen des Rheins, so leisten sie auch inihren öffentlichen Handels- und Zolleinrichtungen mitRücksicht auf die Bedürfnisse des gesammten Deutsch-lands , diesem in der That schon Alles, was es bei denNiederlanden erst durch schwierige Verträge erwerben,vielleicht erst durch Opfer erkaufen mufs.»

Man sieht, wie der Hebel gerade an der rechten Stelle, wodas Nationalgefühl in Frage kam, angesetzt ist. Die vorgebrachtenThatsachen waren damals durchaus correct, sie treffen im Wesent-