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Die handelspolitische Stellung der deutschen Seestädte / von Theodor Barth
Entstehung
Seite
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mittelst des genannten Erlasses einen Steuerzuschlag von io pCt.auf die Einfuhrzölle auferlegt. Diese Mafsregel ist damit motivirt,dafs diese Häuser keinen Landtransport für ihre Waaren zu be-zahlen haben und ferner dieselben ohne Zeitverlust verkaufenkönnen, während die Geschäfte im Innern der Republik nachbeiden Richtungen hin ungünstiger gestellt seien. Hieraus schliefstdie Regierung, dafs ihr die Pflicht obliege, von einer derartigenzerstörenden (ruinosa) Concurrenz den Kaufmannsstand, welcherfern von der Küste etablirt ist, im Wege der Gesetzgebung zubefreien.

Wir sehen hier das Schutzzollsystem in der Karicatur, aberdurchaus folgerichtig entwickelt.

«Bevorzugungen Einzelner heifst es in der Ham-burger Denkschrift weiter haben das Eigenthümliche,dafs immer eine die andere hervorruft. Gerade, weildem Einen ein Privilegium entgegensteht, das ihn ver-driefst, verlangt er seinerseits gleichfalls ein Privilegium,um sich zu vertheidigen und sich an einem Dritten zuerholen, der dann auch wieder eins für sich fordert, undaus allen den Forderungen, Behauptungen, Zurückwei-sungen und Beschuldigungen entsteht dann eben derKampf Aller gegen Alle, welcher der Gegensatz derEinigkeit und der Einheit ist.»

Diese Worte tragen einen geradezu prophetischen Charakter,wenn man die Ereignisse des letzten Frühjahrs damit zusammen-stellt. Schliefslich mag hier nur noch ein Passus eine Stelle finden,da dieser den Kernpunkt der freihändlerischen Principien inknappster Weise zur Darstellung bringt.

«Der Handel heifst es gleich am Anfänge wirdam sichersten seinen Weg machen, wenn man ihn selbstdenselben wählen, wird am besten gedeihen, wenn man ihnungestört seinen natürlichen Gang gehen läfst. Mit solcherFreiheit des Handels steht ein mäfsiger Zoll, der, ohneauf den Gang desselben einen Einflufs zu üben, nur dazudient, den Steuerpflichtigen die Last der directen Steuernzu erleichtern, keineswegs im Widerspruch. Ein Systemaber, welches darüber hinausgeht, welches neben demblos finanziellen Zwecke noch einen industriellen verfolgt,