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demnächstigen Debatte im Reichstage herausstellen. Handeltes sich dagegen nur um die Unterstützung eines deutschen —wenn auch noch so bedeutenden — wirtschaftlichen Unter-nehmens, so erscheint dieselbe als kein glücklicher Gedanke.Was für die Samoa-Inseln gilt, weshalb sollte das nicht auchfür die Fidschi-Inseln gelten, oder für Honolulu , oder fürHongkong , oder Singapore u. s. w. u. s. w. Es existiren in frem-den Ländern deutsche Kaufmannshäuser, deren Interessen weitwichtiger für Deutschland sind, als die der Samoa-Plantagen-Gesellschaft. Hoffentlich wird dieselben kein. Unglück treffen,aber wenn es der Fall sein sollte, will dann jedesmal das deutscheReich mit seinen Geldmitteln einspringen? — Es ist ja nur dereine Fall, wirft man vielleicht ein. — Aber nur in Despotiengiebt es einzelne Fälle in diesem Sinne des Wortes; in consti-tutioneilen Staaten ist jeder Act der Staatsgewalt ein Präjudiz,an das sich Forderungen oder mindestens Wünsche knüpfen,die um so legitimer sind, je mehr der neue Fall dem altenähnlich ist. Wird einmal gegeben, so wird man zum Em-pfangen immer Hände finden und Nothleidende giebt es stets.Dann kommen zuerst die schlecht geleiteten Dampferlinienund fordern Subventionen, selbstverständlich nur in natio-nalem Interesse, und diese Prämie für das Nothleiden ruftneue Existenzen hervor, vielleicht eine regelmäfsige Dampf-schifffahrt nach den Samoa-Inseln , natürlich ebenfalls im natio-nalen Interesse. Dann giebt es einen Krach, bei dem auchdie Gesunden schlecht wegkommen, und dann ist die allgemeineMisere da.
Man blicke dagegen jetzt auf unsere Dampferlinien. Siehaben alle den Wechsel des Geschicks, zum Theil sehr hart,erfahren, aber keine erhielt Staatssubventionen, und sie habensich doch durchgearbeitet und stehen in kaufmännischer wie inseemännischer Tüchtigkeit hinter keiner Dampferlinie der Weltzurück. Die französischen Dampferlinien, welche jährlich circa21 Mill. Francs Subventionen beziehen, sind ihnen durchschnittlichin beiden Beziehungen untergeordnet. Unter solchen Umständendarf Deutschland stolz auf seine Flotte sein.
Man kann danach wohl sagen: Es wa r bislang ein wahresGlück für die deutschen Seestädte, dafs keines «Medicäers Güte»