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Die Reichstags-Verhandlungen über Münzreform und Bankwesen : (24. u. 25. Febr. 1880) / hrsg. und eingel. von Ludwig Bamberger
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liche Besserung, die so weit gehen könnte, daß man ohne erhebliche Verluste fürdie Reichskasse, ohne Kontrahirung von erheblichen Schulden für die Reichskasse,mit einer beträchtlichen Menge von Silber wieder würde auf dem Markte er-scheinen können, nicht zu erwarten sei. Die verbündeten Regierungen haben esdaher als vortheilhast erachtet, es bei der Sistirung bis auf Weiteres zu be-lasse», aber eben nur bis auf Weiteres. Es ist dies übrigens auch nicht ge-schehen, ohne alle die Erwägungen anzustellen, die iu einem solchen Falle auchnamentlich uach der Richtung anzustellen waren, ob dadurch allgemeine Inter-essen des Verkehrs, und uamentlich unseres Verkehrs mit dem Auslande, etwageschädigt würden, ob die Interessen der Reichsbank geschädigt würden. MeineHerren, wir haben in der Beziehnng auch die Aeußerung seitens der Reichsbankbekommen, daß der dortigeu Würdigung der Verhältnisse nach eine solche Gefahrin der weiteren Sistirung nicht zn finden sei. Um so weniger haben die ver-bündeten Regierungen Veranlassung gehabt, von dieser Maßregel Abstand zunehmen. Es handelt sich um eine interimistische Maßregel, um ein verlang-samtes Tempo der Durchführung der Münzresorm, so weit, glaube ich, ist ausmeinen Darlcguugeu doch das Sachverhältniß hinlänglich aufgeklärt.

Der Herr Abgeordnete hat die Bemerkung angeknüpft, daß eS auffällig ge-wesen sei, wie nach der Münzdenkschrist über die 300 000 Pfund Silber inBarren, die sich jetzt uoch in unseren Beständen vorfinden, noch große Er-wägungen schweben können, und er hat Andeutungen gemacht, daß das diejenigen20 Millionen Matk seien, auf welche im vorigen Jahre in den Verhandlungenvielfach hingewiesen sei; die Einzelheiten sind mir nicht ganz verständlichgewesen. Ich möchte in dieser Beziehung nur noch erwähnen, meine Herren,es handelt sich also in der That um ein Quantum von über 300 000 PfundBarrensilbers, welches aber noch nicht in dieser Höhe vorhanden war, als dieVerhandlungen im Juni v. I. stattfanden. In den Affinerien und Münzstättenwaren verschiedene Quantitäten im Betrieb, die nach der Sistirung der Ein-ziehung der Thaler und des Silbervcrkaufs allmählich herausgezogen werdenkonnten, und es hat sich so erst im Lause des Jahres der volle Bestand gebildet.Wäre die Interpellation nicht gestellt und hätte sie nicht zu der Erklärung ge-führt, zu der öffentlichen, in doch immerhin feierlicherer Form abgegebenen Er-klärung, daß die Silberverkäufe eingestellt seien, so würden Sie von diesen300 000 Pfund, die uns etwas über 31 Millionen Mark kosten, nichts mehrim Bestand gesunden haben; denn es wäre nichts natürlicher gewesen, als daßman mit diesem Rest durch Verkauf auch aufgeräumt hätte. Nach den Vor-gängen des vorigen Jahres war aber dieser Weg füglich nicht zu betreten. In-zwischen ist aber eine andere Sorge an die Regierung herangetreten, und ichhabe die Hoffnung, daß die Verhandlungen, die in dieser Beziehung schwebenund auf die Befriedigung des Bedürfnisses gerichtet sind, an ReichSsilbermünzennoch ein Mehr zn gewähren, bald zum Ziele führen werden. Ein solches Be-dürfniß ist in Norddeutschland vielfach hervorgetreten, und obwohl Süddeuts ch-land viel mehr von Reichssilbermünzen bis jetzt bekommen hat, als wie nach derBevölkerungszahl auf Süddeutschland entfällt, besteht es auch dort, bei der letztenGelegenheit erst ist von der königlich bayerischen Regierung ausdrücklich derWunsch ausgesprochen worden, auch für Bayern noch Markstücke zu bekommen,ich sage, nach alledem ist es wohl nicht als ungerechtfertigt anzusehen, den erstenAbsatz des Art. 4 des Münzgesetzes, welcher die Ausprägung der ReichSsilber-münzen aus zehn Mark pro Kopf bis auf Weiteres bestimmt hat, einer erneutenPrüfung zu unterziehen. Ich gebe mich der Hoffnung hin, daß noch im Lanfedieser Session dein hohen Hause ein Gesetzentwurf wird vorgelegt werden, welchereine Abänderung dieses Absatzes des Art. 4 bezweckt. Ist dies der Fall, dann