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Die Reichstags-Verhandlungen über Münzreform und Bankwesen : (24. u. 25. Febr. 1880) / hrsg. und eingel. von Ludwig Bamberger
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wird sich auch von selbst nebenher die Gelegenheit bieten, jene 300 000 Psundbereits vorhandener Barren anderweit zu verwenden, obwohl sie nicht allein dafürins Auge gefaßt werden würden.

Kominissarius des Bundesraths kaiserlicher Regierungörath Schraut: Wennich auf die Erwägungen, welche für die Reichsregiernng bei ihrem jetzigen Ver-halten bei Durchführung der Münzreform maßgebend waren, näher eingehen soll,so darf ich vor allem mich zn einem wesentlichen, auch von dem AbgeordnetenHerrn Bamberger berührten Pnnkt, nämlich zn den finanziellen Ergebnissen derMünzreform wenden.

Die Münzreform hat bisher dem Reiche eine Ausgabe von 125^ MillionenMark verursacht. Dieser Ausgabe stehen gegenüber die eigenen Einnahmen ausder Münzreform selbst in Hohe von 81^/z Millionen Mark. Für die Reichs-kasse ist also ein Verlust aus der Münzreform entstanden von rund 44 Millio-nen Mark.

Unter den Ausgaben, die durch die Münzresorm entstanden sind, nehmenden wesentlichsten Theil die Verluste ein, die bei dem Verkauf des Silbers ent-standen sind; dieselben beziffern sich auf 96^/z Millionen Mark. Unter diesen96Milliouen Mark befinden sich rund 23V2 Millionen, welche auf die Ab-nutzung beziehungsweise die mindcrwerthige Ausprägung der früheren Landes-silbermünzen zu rechnen sind.

Ich bin mit dem Herrn Abgeordneten Bamberger darin einverstanden, daßnuser früherer Münzumlauf an innerem Werth sich jedenfalls um diesen Betraggemindert hätte, wenn wir uns zu der Müuzreform auch nicht entschlossen hätten.Ob unser srüherer Münzumlans um denjenigen Betrag, welcher nach Abzugdieser 23^ Millionen als wirklicher Verkaufsverlust übrig bleibt, sich verminderthaben würde, dies hängt im wesentlichen davon ab, welchen Einfluß man derdeutschen Münzreform aus den Preisrückgang des Silbers zuschreibt. Nehmeich an, daß der Silberpreis nicht in gleicher Weise gesunken wäre, wenn diedeutsche Münzresorm unterblieben wäre, dann würde allerdings in dieser Richtungeine wesentliche Differenz bestehen.

Unter den Einnahmen nimmt die Hauptstelle der Gewinn ein, den wiraus der Ausprägung der Silber- und Nickelmünzen erzielt haben, und welchersich für die Silbermünzen allein auf rund 41^/z Millionen Mark berechnet.

Darin stimme ich dem Herrn Abgeordneten Bamberger bei, daß, wennman die finanzielle Gebahruug aufmacht, man zweifelsohne auch den Verlustendiesen Gewinn gegenüberstellen mnß, wie er sich kassenmäßig erwiesen hat.Wirthschaftlich betrachtet, ist dieser Gewinn, der aus der minderwerthigcn Aus-prägung der Silbermünzen entstanden ist, allerdings eine Schuld, die aufunserem Münznmlanf lastet. Es ist dies aber in dem System der Gold-währung begründet, und ich glaube auf diesen Pnnkt hier nicht näher eingehenzn sollen.

Nach Abzug der Einnahmen von den Ausgaben ist sür die Rcichskasse,wie ich schon erwähnt habe, ein Verlust von rund 44 Millionen Mark ver-blieben. Zur Deckung dieses Verlustes haben Sie in den Etats sür 1878/79und 1879/80 zwei Anleihen von je 25 Millionen bewilligt. Von diesen bei-den Anleihen im Gcsammtbetrag von 50 Millionen stehen hiernach zur Zeitnoch 6 Millionen zur Verfüguug der Reichsregierung und nach den bestehendenetatömäßigen Grundsätzen wird dieser Betrag aus das nächste Jahr übertragenwerden.

Von den Verlusten, welche bisher aus der Durchführung der Münzreformentstanden sind, kann ich mich min zn der Frage wenden, welche weiteren Ver-