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Die Reichstags-Verhandlungen über Münzreform und Bankwesen : (24. u. 25. Febr. 1880) / hrsg. und eingel. von Ludwig Bamberger
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luste voraussichtlich noch entstehen werden. Es hängt das wesentlich davon ab,wie groß noch der Umlans an Thalern ist; der Herr Abgeordnete Bambergerschätzt ihn auf 400 Millionen Mark, es ist indessen noch eine höhere Schätzungvorhanden, welche sich auf 450 Millionen Mark belauft. ES kommt weiter inFrage, ob der Silberpreis dauernd den niederen Stand behalten wird, welchener jetzt einnimmt. Der Herr Abgeordnete Bamberger ist der Ansicht, daß eineBesserung uiebt eintreten werde; ich glaube dagegen, daß die Möglichkeit einerBesserung nicht als ausgeschlossen betrachtet werden kann. Ich bin auch derMeinung, daß ans den Silberprcis hauptsächlich der Stand des englisch -indischenHandels einwirkt, was die Ergebnisse der englischen Enquete des Näheren dar-gelegt baben. Wir haben aber in den letzten Jahren die Erfahrung gemacht,daß, wenn die englisch -indischen Handelsvcrhältnisse für den Silberkonsnm günstigwaren, unsere Silbcrvcrkänfe den Markt nicht drückten, dagegen wenn ersteresnicht der Fall war, unsere Verkäufe nachthcilig aus den Preis wirkten. Wirkommen in Folge dessen bei der ungünstigen Lage des Silbermarktes zu derAnsicht, daß, wenn wir bei dem jetzigen Silberprcis von 52^/g bis ^ zuSilberverkäufcn geschritten wären, wir einen folchen Druck aus den Markt aus-geübt hätten, daß sich der Verlust, den wir schon bei den jetzigen Preisen habenwürden, noch wesentlich erhöht hätte. Die Rechnung stellt sich in der Weise,daß wir au 100 Millionen Mark, die wir zn dem jetzigen Silberpreis von52-bis '/z verkaufen würden, einen Verlust von ungefähr 16 Millionen Markhätten, also wenn wir noch ungefähr 300 Miliioneu Mark abstoßen wollten, einenVerlust von 48 bis 50 Millionen Mark tragen müßten, wodurch uuscr Gesammt-verlust sich auf ungefähr 100 Millionen erhöhte. Dieser das Budget alljährlichmit Zinsen belastende Betrag ist gewiß nicht so gering, daß der Reichsregierungsich nicht die Frage aufdränge» mußte: liegt denn eine Nothwendigkeit vor, miteiner solchen Beschleunigung der Silbcrverkäufe wie bisher fortzufahren? DiefeFrage mußten wir verneinen. Daß die Thaler, welche im Umlauf sind, denVerkehr nicht belästigen, wird anch von dem Abgeordneten Bamberger zugegeben.

Es fragt sich, ob dieser Thalerumlauf unsere Goldzirkulation schädigt?Auch hier haben die verbündeten Regierungen zur Zeit keine Bedenken. UnserMünzumlauf besteht zur Zeit aus rund 1718 000000 Mark Neichsgoldmünzen,aus 427 000000 Mark Reichssilbermünzen, aus ungefähr 400 000 000 Markin Einthalerstücken und 163 000 000 Mark ReichSkasscnscheineu. Zu diesembaren Münzumlanf kommt noch der innerhalb der stencrsreien Notenrescrve zu-lässige, ungedeckte Notenumlauf in Höhe von 385 000 000 Mark.

Ich darf vorerst erwähnen, daß die Reichskassenscheine früher in großenBeträgen in Appoints zn 5 Mark und 20 Mark ausgefertigt wareu; durch einenBundcsrathSbeschluß vom vorigen Jahre ist indessen der Umlauf der Reichs-kassenscheiue zu 5 Mark von 63 auf 50 Millionvn herabgesetzt worden, undneuerdings ist in Erwägung gekommen, diesen Betrag noch weiter herunter-zusetzen; der Umlauf der Reichskasseuscheine zn 20 Mark ist von 50 Millionenaus 40 Millionen heruntergesetzt. Durch diese Maßregeln ist für den baarenUmlauf unserer Münzen ein neues Feld geöffnet.

Von den 1 718 000000 ReichSgoldmünzen ist allerdings ein Theil insAusland geströmt. Um die nach dieser Richtung bestehenden Ansichten zu klären,haben wir amtliche Ermittelungen darüber anstellen lassen, wie hoch sich dieserBetrag belauft, und es hat sich aus den Ermittelnngcn, die wir von den aus-wärtigen Regierungen bekamen, herausgestellt, daß bis Ende 1878 ans auslän-dischen Münzstätten rund 103 Millionen deutsche Neichsgoldmünzen eingeschmolzenwaren. Es lagen serner Ende 1878 in den auswärtigen großen Bankinstitutenrund 7" Millionen au Reichsgoldmünzen. Diese 70 Millionen werden im Laufe