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Die Reichstags-Verhandlungen über Münzreform und Bankwesen : (24. u. 25. Febr. 1880) / hrsg. und eingel. von Ludwig Bamberger
Entstehung
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des Jahres 1879 nach Deutschland zurückgeflossen sein, und zwar in Folge eines,auck von dem Herrn Abgeordneten Bamberger bereits erwähnten außerordent-lichen Umstandet Es haben sich nämlich die Wechselkurse seit dein Juni vori-gen Jahres dauernd zu unserem Vortheil gestaltet, so daß die Reichsbank in denletzten sechs Monaten des Jahres 1879 sast mehr Gold ankaufen konnte, alsin den sechs Jahren vorher. Auch in den ersten sechs Wochen dieses Jahreswar die Reichöbank in Folge der weiteren günstigen Gestaltung der Wechselkursewiederum in der Lage, einen Betrag von uugefähr sechs Millionen anzukaufen.

Ich gebe nuu dem Herrn Abgeordneten Bamberger nicht Unrecht darin,daß unsere Geldzirkulation, wenn die Wechselkurse sich dauernd zu unseren Un-gnnstcn gestalten würden, gefährdet sein könnte, wenn die Thaler, die noch nichteingezogen sind, sich thatsächlich im Verkehr befänden; es würde dies eventuelldazu beitragen, bei ungünstigen Wechselkursen das Gold in die auswärtigenKanäle zu leukeu. ES liegt aber nnd hier darf ich anf die Erklärungzurückkommen, welche der Herr Schatzsekretär abgegeben hat der größte Theilder Thaler in den Beständen der Reichsbank, uud letztere äußerte sich auf Be-fragen dahin, daß sie aus dieser Sachlage keinen Grnnd zur Beschleunigung derVerkäufe ableite; es könne jedermann jederzeit bei den Bankstellen Gold be-kommen, und die Bank sei in der Lage, ihren Goldvorrath zu schützen. Nach-dem die Sache so liegt, konnte sich die Neichöregiernng dem Gedanken nichtentziehen, daß keine Nothwendigkeit gegeben sei, zu Silberverkäufen unter Ueber-nahme von Verlusten zn schreiten, welche bei rnbigcin Zuwarteu unter Umständenerspart werden können.

Abgeordneter von Kardorff: Meine Herren, so wenig ich die Ansicht desHerrn Abgeordneten Dr. Bamberger über die WährnngSfrage im allgemeinentheile, so muß ich meinerseits doch auch meine großen Bedenken auSsprechcngegen diejenige Art der Münzpolitik, welche die Regierung in diesem Augenblickzu befolgen scheint. Ich kann diese Bedenken nicht besser motiviren, als wennich Sie an einen Vorgang auf unserem handelspolitischen Gebiet erinnere.

Sie erinnern sich, daß Anfangs der siebziger Jahre, als cS sich um Auf-hebung der Eisenzölle handelte, hier ein Kompromiß in Vorschlag gebracht wurde,welcher den Eisenzöllen noch einige Jahre das Leben fristete. Ich gehörte da-mals, obschon sehr entschieden Protektionist, doch zu den entschiedenen Gegnerndieses Kompromisses, aus dem einfachen Grunde, weil ich mir sagte, je schnellerdie Eiscnzölle aufgehoben werden, je intensiver die Kalamität auftritt, die daszur Folge haben wird, um so eher ist eiue Besserung möglich, nm so eherwerden wir zn den handelspolitischen Prinzipien zurückkehren, die ich für dierichtigen halte.

In ganz ähnlicher Lage befinde ich mich in dieser Frage, die uns gegen-wärtig beschäftigt, nämlich ob das deutsche Reich fortfahren'soll in der Durch-führung der Müuzreform, wie der Herr Abgeordnete Bamberger wünscht, odernicht. Ich bin der Meinung, daß wir zn der internationalen Doppclwährung,die der Herr Abgeordnete vi-. Bamberger für Utopie hält, an die ich aber festglaube, nur kommen werden, nachdem die Welt die Kalamitäten nochmals durch-gemacht haben wird, welche die Silberentwcrthung mit sich geführt hat. Des-halb wünsche ich, so schwer mir die Verluste, die auch unser Vaterland dabeizu tragen hat, sind, daß wir bei Durchsührnng der Goldwährung vorläufig ein-mal bleiben, ich habe die feste Ueberzeugung, daß weuige Jahre vergehen werden,um die Welt zur Doppelwährung zurückzubringen. Sie müssen nämlich dieAngaben, die der Herr Abgeordnete Bamberger über die Weltlage und dieStimmung iu der Wissenschaft in allen civilisirten Ländern gemacht hat, doch