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wird, wenn wir für das ganze Jahr definitiv die Silberverkäufe sistiren unddie Position, die sich fönst im Etat befunden hatte, aus dem Etat fortlassen.Ich wünsche deshalb — und behalte mir das zur dritten Lesung vor — daßwenigstens durch eine Bemerkung im Etat oder sonst außerhalb desselben derRegierung die Ermächtigung gegeben wird, eine gewisse Summe von Schatz-Anweisungen ausgeben zu können behuss Durchführung der Münzreform, damitdie Regierung wenigstens die Macht in der Hand hat, um auf England einenDruck ausüben zu können. Ich glaube meinestheils nicht, daß dieser Druck einso ganz vergeblicher sein wird, wie der Herr Abgeordnete Bamberger vielleichtannimmt.
In England ist die Agitation für die Doppelwährung eine ungemcin starke.Es stehen sich dort zwei Interessen gegenüber; das Interesse des Waarengeschäfts,vertreten z. B. durch die Handelskammer von Liverpool , namentlich das Inter-esse des Handels nach den Silberländern ist entschieden sür Einführung derDoppelwährung. Das Interesse des eigentlichen Geldwechsels, was in England ein überwiegend großes ist, will allerdings die reine Goldwährung erhalten, dabei der reinen Goldwährung jede Waare, die in Silber gehandelt wird, immerwieder die Käufer oder Verkäufer in die Lage bringt, ihr Silber später inEngland wieder in Gold umwechseln zu müssen. Das ist ein so gewaltigerVortheil für den englischen Goldhaudel, daß diese Partei das äußerste daransetzt, um für England die Goldwährung zu retten. Nichtsdestoweniger ist dieAgitation für die Silberwährung augenblicklich in England eine außerordentlichstarke, und wie bekannt ist, steht der Ministerpräsident Lord Beaconsfield derFrage keineswegs fern; er hat sich niemals als Enthusiast sür die Goldwährungdokumentirt und gilt als gründlicher Kenner der Wahrungssrage. Ebenso darfich daran erinnern, daß der Vertreter Englands aus der Pariser Konferenz, Mr.Göschen, sich im gleichen Sinne sehr vorsichtig für England , im übrigen sehrentschieden dafür ausgesprochen hat, daß es ein Elend für die Welt sein würde,wenn das Silber als Währung beseitigt würde, — und das würde es in derThat sein.
Denn was bedeutet diese Beseitigung des Silbers für den Weltverkehr?Sie bedeutet, daß, während jetzt durch eine bestimmte Summe Silbers undGoldes der gefammte Verkehr der Welt vermittelt wird, dieser Verkehr dannangewiesen wird, sich mit der Hälfte dieser Summe zu begnügen, und daß dieandere Halste Silber gleichzeitig in die Reihe derjenigen Waaren zurücktritt, dieauch ihrerseits wieder das Gold zur Verkehrsvermittelnng verlangen. MeineHerren, das wird Uebelstände mit sich führen, die in einer Preisrevolntion be-stehen, wie wir sie jetzt schon während der Silbercntwerthung erlebt habeu, aberUebelstände, die im Handelsverkehr sich verdoppeln werden, wenn wir jetzt denVersuch machen wollten, die Goldwährung weiter auszudehnen. Bei demgeringen Silbervorrath, den wir noch haben, glaube ich, kommt es auf dieVerluste, die wir bei den SilberveMusen, um die es sich jetzt handelt, machenkönnten, gar nicht an. Die Frage ist von viel größerer Tragweite, als die 20bis 30 Millionen bedeuten, die wir bei den Silberverkäufen etwa verlierenkönnen, die überhaupt in Betracht kommen. Ist die Goldwährung an sichrichtig, dann kommt es auf diese Verluste nicht an, und ist sie falsch, dannschaden uns diese Verluste auch nichts, sie bringen uns vielmehr dann vielleichtdazu, auf die richtigen Wege zurückzukommen.
Meine Herren, ich muß darauf verzichten, in dieser späten Stunde so ein-gehend ans die Bcmerknngen des Abgeordneten Bamberger einzugehen, wie iches im Interesse der Sache gewünscht hätte, nur vor einem möchte ich warnen.Der Herr Abgeordnete Bamberger schildert die ganze Frage als eine ungeheuer
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