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Die Reichstags-Verhandlungen über Münzreform und Bankwesen : (24. u. 25. Febr. 1880) / hrsg. und eingel. von Ludwig Bamberger
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verwickelte und schwierige, so daß eigentlich nur ein Techniker mit den aller-größten Studien sie begreifen und verstehen könne. Meine Herren, ich fordereein jedes einzelne Mitglied des Hauses auf, sich dadurch nicht abschrecken zulassen und sich eingehend und sorgfältig mit dieser Frage zu beschäftigen. Dieganze wissenschaftliche Literatur der Welt beschäftigt sich mit dieser Frage.Mau kann fast keine (juartsil^ i-sviov aus England oder Amerika oder irgendein Monatsblatt aus diesen Ländern zur Hand nehmen, ohne einen Artikel überdie Währuugssrage zu finden, bald in dein einen, bald in dem anderen Sinne,zu meiner Freude überwiegend in der Richtuug der von mir verfochteneuDoppelwährung. Meiue Herren, ich hoffe, daß, mögen wir hier beschließen,was wir wolle», diejcuigen Schritte, welche schließlich der Erfolg der Maßregelnder Reichsregierung sein werden, resp, der Erfolg desjenigen, was hier aus derInitiative des Hauses hervorgeht, dazu dienen werden, die Verhältnisse in solcheBahnen zu lenken, die unserem Vaterlande zum Segen gereichen. Denn daßbis jetzt die Einführung der Goldwährung uns zum Segen gereicht hätte, kannich nicht sagen. Die einzigen Vortheile von der Einführung der Goldwährunghat das Großkapital, haben die Besitzer der Renten und Annuitäten gehabt, dieNachtheile die gesammten Klassen der übrigen Bevölkeruug (sehr richtig!), diebesitzenden ebensowohl wie die arbeitenden Klassen.

Abgeordneter Oi-. Bamberger: Meine Herren, ich will dem Abgeordnetenvon Kardvrff nicht aus das Gebiet der Münzgesetzgcbnng in ihren großen Fragenfolgen. Nach den Erklärungen der beiden Bundesrathsvertreter, die ich gernacceptire und ohne Vorbehalt acceptire, insoweit sie die Absicht einer definitivenVeränderung der Münzgesetzgebnng verneinen, nach dieser Erklärung stehen wirnicht vor jener großen Frage. Es ist durchaus nicht angeregt, daß wir anStelle der Goldwährung die Doppelwährung setzen sollen und ich will abwarten,bis diese Frage uns positiv gestellt ist, ehe ich weiter hierüber spekulative Be-trachtungen anstelle. Ich will nur zwei Sätze aus den Schlußworten des Ab-geordneten von Kardorff hervorheben, weil diese dem Gebiet des. Praktischennäher liegen. Er sagte, er müsse bestreiken, daß die Münzgefetzgebung, die wiruns seit 1871 gegeben, zmu Vortheil deS Reichs gereicht habe. Nun ist speciellbetreffs dieser Münzgesetzgebung in die Enquete über den Zolltarif eine Frageeingerückt worden. Die verbündeten Regierungen haben, ob mit Hinblick aufdie Münzgesetzgebung oder auf die Tarifgefetzgebung, das will ich dahingestelltsein lassen, in das Frageformular bezüglich des Zolltarifs an die einzelnenZeugen, Experten, die Frage richten lassen: hat die nene Münzgesetzgebung eineschädliche Einwirkung auf den Verkehr gehabt? und ich müßte mich sehr irren,wenn irgendwie eine bejahende Antwort von einem der Sachverständigen ab-gegeben worden wäre, und man kann doch annehmen, daß uuter der großenMasse der Sachverständigen nicht sehr viele gewesen sind, die meinem wirth-schaftlichen Standpunkte im Ganzen sehr hold waren.

Dauu möchte ich gegen noch etwas protestiren, was uus wirklich vorunserer eigenen Nation uud dem Auslande gar nicht schön hinstellt. Wennvon der Goldwährung die Rede ist, wird immer gesagt, es sei eine Währung,die, weil sie vollwichtig ihren ganzen Werth repräsentirt, zum Nachtheil deSSchuldners gereicht. Man sollte wirklich glauben, wir wären in einem Lande,das aus einer Majorität schlechter Schuldner besteht, die erimirt, befreit werdensollen von eingegangenen Verpflichtungen dadurch, daß man den Inhalt derMünze herabsetzt. Das ist doch sicher nicht der Fall; Deutschland ist glücklicher-weise nicht in der Lage, seine Gesetzgebung für eine Majorität von schlechtenSchuldnern machen zu müssen.