— 38 —
geordneten von Kardorss bemerken, daß ich ausdrücklich das Gegentheil von deingesagt habe, was er als meine Aeußerung zitirt hat. Ich habe nicht gesagt,daß unsere Silbcrvertaufe ohne Einfluß auf den Preis des Silbers gewesenseien, im Gegentheil, es ist ganz unleugbar, daß z. B. Herr Göschen, den erzitirt hat, der englische Staatsmann, der uns so sehr zuredet, wir sollen unserSilber nicht verkaufen, es nicht thäte, weuu er nicht dadurch das englischeSilber etwas besser anbringen könnte; das ist gar kein Zweifel; nur den durch-schlagenden Einfluß aus den Silberwerth, an den man denkt, wenn man davonspricht, daß wir durch unser Wegbleiben vom Markte die Sache ändern könnten,den habe ich geläugnct. Weiter geht meine Behauptung nicht; nur das wollteich feststellen. Im übrigen bin ich ganz damit einverstanden, mit dem, wasder zweite Herr Regieruugsvertreter gesagt hat, daß ein günstig bewegter Marktviel stärkere Verkäufe unsererseits verträgt, ohne daß der Preis es empfinde,und daß man vom schwachen Markt besser fortbleibt; daß aber der Markt inden letzten 8 Monaten nur schwach gewesen sei, das muß ich ganz bestimmtbestreikn.
Sitzung vom 25. Februar.
! Debatte über die Reichsbank.
Kommissariuo des BuudeSraths: Präsident der Reichsbank Wirklicher Ge-heimer Rath von Dechend: Meine Herren, mein verehrter Gönner, der HerrAbgeordnete vr. Bamberger, hat in der letzten Sitzung bei der Berathnng desEtattitels über das Münzwesen auch der Reichsbank gedacht und bei der Ge-legenheit die Aufmerksamkeit des Hauses auf gewisse Vorgänge bei der Reichs-bank hingelenkt, die nach seiner Auffassung doch nicht ohne Bedenken wären.Die Sache ist nicht blos für die Reichsbank, sondern auch für das ganze Landvon außerordentlicher Wichtigkeit, insofern als dabei Bedenken erhoben wordensind, ob die Reichsbank noch nach den alten soliden Grundsätzen verwaltet werde,die ihren Ruf begründet haben. Der Herr Abgeordnete Dr-. Bamberger hat eineAbweichung von diesen Grundsätzen namentlich darin gefunden, daß die Bankin neuester Zeit angefangen habe, Wechsel auch unter dem von ihr festgesetztenDiskontsatz anzukaufen. Er bemerkte in dieser Beziehung, daß das Portefeuilleder Bank von diesen Wechseln voll sei, daß sie dadurch sehr leicht in die Lageversetzt werden könnte, bei dem Eintritt schlimmer Zeiten, auf welche sie stetsgefaßt sein müsse, nicht die erwartete Hülfe gewähren zu können.
Meine Herren, ich kann versichern, daß ich von der Nothwendigkeit, inZeiten des Geldüberflusfes, wie wir sie jetzt haben, doppelt vorsichtig zu seinund dessen stets eiugedeuk zu bleiben, daß sich dies sehr leicht und sehr plötzlichändern kann, nicht weniger durchdrungen bin, wie der Herr Abgeordnete Dr.Bamberger. Ich habe nach diesen Grundsätzen, so lange wie ich an der Lei-tung der jetzigen Reichsbank theilnehme — nnd das sind beinähe 30 Jahre —stets gehandelt, ich bin darum auch weder durch die geschäftlichen Krisen nochdurch die drei Kriege, welche während dieser Zeit plötzlich über uns herein-gebrochen sind, überrascht worden, und wüßte in der That nicht, was mich ver-