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Die Reichstags-Verhandlungen über Münzreform und Bankwesen : (24. u. 25. Febr. 1880) / hrsg. und eingel. von Ludwig Bamberger
Entstehung
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Sitzung vom 24. Februar.

Debatte über die Durchführung der Münzreform.

Bevollmächtigter zum Bundesrath Unterstaatssekretär im ReichsschatzamtScholz: Nachdem, was der Herr Abgeordnete Dr. Bamberger schon geäußert hat,darf ich annehmen, daß es seinem Wunsche entspricht, wenn ich meinerseitsdamit beginne, eine weitere Erläuterung zn dieser Position zu geben, und ichbin sehr gern bereit, diesem Wunsche zu entsprechen.

Ich darf damit beginnen, meine Herren, daß die Sache nach dem neulichschon etwas skizzirten Angriffe zunächst eine Erinnerung au den Inhalt derVerhandlungen vom Juni v. I. erfordert. Vor etwa 8 Monaten hat der HerrAbgeordnete mit anderen Mitgliedern des Hauses eine Interpellation hier ein-gebracht, wesentlich zu dem Zwecke, wie es damals des Näheren ausgeführtwurde, um durch eiue bestimmte Erklärung der Regierung darüber, daß eineAenderung in der Münzverfassung nicht beabsichtigt sei, eine allgemeine Be-ruhigung hervorzurufen, und in seiner Rede, mit der der geehrte Herr Abge-ordnete damals bei der Besprechung dieser Interpellation den Gegenstand be-leuchtet hat, hat er wiederholt Veranlassung genommen, sich ausdrücklich gegendie Unterstellung zu verwahren, als ob seinerseits oder seitens seiner Freundeeine Einmischung in die Frage der Silberverkäufe beabsichtigt werde; er hatausdrücklich erklärt, das sei eine Sache der Exekutive, in die sich einzumischenfür die Legislative wenig sich empfehle, die man hier in dem hohen Hause garnicht zu berühren gutthäte, und die er deshalb seit langer Zeit auch zu be-rühren immer unterlassen habe. Ich darf insbesondere auf zwei Stellen jenerVerhandinngen hier aufmerksam machen. Es ist Seite 1716 der stenographischenBerichte, wo der Herr Abgeordnete vr. Bamberger gesagt hat:

Es ist uns nicht entfernt in den Sinn gekommen, uns in die Frageder Silberverkäufe einzumischen, am allerwenigsten sie hier im Reichs-tage zur Debatte zu bringen. Das sind Fragen der Exekutive, dieuicht blos nicht für die öffentliche Erörterung sich eignen, sondern fürwelche die Parlamentsmitglieder gar keine Kompetenz haben. So langedie Münzgesetzgebung noch im Gange war, habe ich ja oft meineMeinung ausgesprochen und mich stets zu der Ansicht bekannt, daßwir rasch das Silber verkaufen müßten, weil ich der Ansicht war, daßes nur bergab gehen könne. Ich hatte damals den Widerspruch von