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Die Reichstags-Verhandlungen über Münzreform und Bankwesen : (24. u. 25. Febr. 1880) / hrsg. und eingel. von Ludwig Bamberger
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durch die Sistirung unserer Silberprägung und durch die nothwendig folgendeSistiruug der französischen Silberprägung, doch auch die Konsumtion für Silbersehr bedeutend eingeschränkt haben. Wenn er darauf Bezug genommen hat, daßdie indischen Bezüge wieder wachsen können, so sind ja Konjunkturen möglich,durch die die Silberbezüge Indiens wirklich zu einer Steigerung gelangen können,aber ich mache darauf aufmerksam, daß die ganzen Bezüge Indiens an Silbermit unter der Goldwährung deshalb leiden, weil die indischen Waaren doch auchwieder ihrerseits einmal in Gold umgesetzt werden müssen. In Folge diesesUmsatzes und das ist anerkannt in kaufmännischen englischen Kreisen inFolge dieses nothwendigen Umsatzes müssen die Bezüge Chinas, Indiens unddie anderen Silberländer immer geringer werden. Ich meine also, der Gesichts-punkt, den er hervorgehoben hat, daß unsere Silberverkäufe gar keinen Einflußhabeu auf die Silberwährung, überhaupt gehabt hätten, ist nicht richtig. Esist vielleicht gut gewesen, daß wir in die Goldwährung hineingetreten sind, weildas möglicherweise der Durchgangspunkt ist, durch den die Welt wieder würdezur Doppelwährung gelangen. Vorläufig aber hat unsere Goldwährung diebisherige Silberentwerthung hervorgerufen und wird sie noch weiter hervorrufen,wenn wir in der Durchführung derselben fortfahren.

Ich möchte nur noch auf einen Punkt Bezug nehmen, der angedeutetworden ist von Seiten des Herrn Regienmgskoinmissars zu meiner nicht sehrgroßen Freude, das ist nämlich die Vermehrung unserer Silberscheidemünzen.Meine Herren, das halte ich ich kann mir nicht helfen für eine außer-ordentlich falsche Maßregel. Die Vermehrung der Silberscheidemünzen über eingewisses Maß hinaus gefährdet ebenso gut die Goldwährung wie das Papiergeldoder die Silberthaler, die im Lande umlausen, und zwar in noch viel gefähr-licherer Weise, weil die Silberscheidemünzen, die umlaufen, doch nur einen ge-ringeren Werth haben, als zu dem sie ausgegeben werden.

Bevollmächtigter zum Bundesrath Unterstaatssekretär im ReichsschatzamtScholz: Der Herr Abgeordnete Sonncmann hat angenommen, ich hätte durchmeine Erklärung dem Reichstag eine Art Verantwortung zuschieben wollendafür, daß die Silberbarren von 300 000 Mark, die noch jetzt im Besitze derRegierung sind, nicht verkaust worden seien. Ich bedaure, wenn ich mich indieser Beziehung undeutlich ausgedrückt habe. Ich habe uicht das propter uoe,sondern das post dvo dabei im Auge gehabt und bin weit entfernt, dem Reichs-tage dafür eine Verantwortung zuzuschieben.

Er hat dann aber noch geglaubt, meine Aeußerungen dahin verstehen zumüssen, daß die Verantwortung dafür, daß der Beschluß der verbündeten Re-gierungen, die Silbcrverkäufe zu sistiren und das nächste Jahr hindurch sistirtzu lassen, keine Uebelstände mit sich bringen werde, keine Erschütterung desVerkehrs, daß die Verantwortung für das alles auf die Erklänmg der Bank-verwaltung abgeschoben worden sei, daß sich die Reichsrcgierung in dieser Be-ziehung gewissermaßen ihres eigenen Urtheiles begibt, oder ein solches überhauptnicht gehabt hat. Das ist auch ein Mißverständniß. Ich habe nur hervor-heben wollen, daß nicht ohne Anhörung dieses wichtigen Faktors, nicht ohnedessen Uebereinstimmung im Urtheile gehandelt worden sei; aber daß immerhindie verbündeten Regierungen selbst sich ein Urtheil über die Sache gebildet haben,das glaube ich nicht nöthig zu haben noch besonders hervorzuheben. Also voneiner Abschiebung der Verantwortlichkeit auf die Bankverwaltung ist uicht dieRede.

Abgeordneter Dr. Bamberger: Nur statt einer persönlichen Bemerkung,weil es ja bequemer ist, das vor Schluß zu thun, möchte ich dem Herrn Ab-