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Die Reichstags-Verhandlungen über Münzreform und Bankwesen : (24. u. 25. Febr. 1880) / hrsg. und eingel. von Ludwig Bamberger
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Silbervcrwerthuug in den Etat einstellen soll. Ich glaube, wenn er diesenAntrag einbringt seine Gründe dafür mögen sein, welche sie wollen sowird er ans dieser Seite des Hauses lebhafte Unterstützung finden. Der Reichs-tag wird, wenn er den Antrag annimmt, die Verantwortlichkeit abgewälzt haben,daß er für Handlungen, welche nicht feinen Ansichten entsprechen, einstehe.

Nun noch einen Punkt, den der Herr Staatssekretär berührt. Der HerrStaatssekretär hat, wenn ich ihn richtig ver-standen habe, gesagt, wenn die Inter-pellation am 19. Juni nicht eingebracht worden wäre, fo würden vielleicht die25 Millionen Silber verkauft worden sein. Durch die Erklärung, die hiergegeben worden ist, hätten die Regierungen sich gebunden erachtet, nichts mehrzu verkaufen. Meine Herren, ich muß doch von meinem Standpunkt aus da-gegen Verwahrung einlegen. Die Erklärungen hätten ebenso gut hier abgegebenwerden können, wie sie abgegeben worden sind, etwa mit dem Hinzufügen, daßnoch sür 20 bis 30 Millionen Silber im Einschmelzen begriffen sind nnd daßsich die Reichsregierung die Verwerthung derselben vorbehält. Allein den Reichs-tag für etwas derartiges verantwortlich zu machen, wovon er gar keineKenntniß gehabt hat, das scheint mir nicht angezeigt, und ich halte dasnicht für angemessen.

Endlich hat der Herr Staatssekretär gesagt, daß im Lause der Session einGesetz eingebracht werden würde, welches die Vermehrung der Reichssilbermünzenherbeiführen solle. Meine Herren, der Reichstag wird dieses Gesetz gewiß nachjeder Seite hin sachlich prüfen. Ich für meine Person halte zwar den Zeit-punkt für etwas verfrüht; ich glaube nicht, daß in dieser Frage Erfahrungengenug gesammelt sind. Was nun den Punkt betrifft, ob die setzt noch in Deutsch-land in Zirkulation befindliche Silberinenge eine Gefahr für den Verkehr hat,fo haben die beiden Herren vom Regiernngstische, die gesprochen haben, dieVerantwortlichkeit dafür von sich auf die Reichsbank abzuwälzen gesucht. Siehaben beide ausgeführt, wir haben uns darüber bei der Bank erkundigt, unddie Bank hat uns gesagt, daß dabei keine Gefahr sei. Meine Herren, ichmeine doch, daß in einer so außerordentlich wichtigen Frage die Reichsregierungnicht allein auf das Urtheil der Bankbchörden sich verlassen solle, daß sie viel-mehr ihr eigenes Urtheil haben müßte. Sollte einmal, was anch mir nichtunmöglich scheint, die Eventualität eintreten, daß wirklich Gefahren für denGeldmarkt daraus eutstehen, so würde nach meiner Ansicht dnrch die heute ab-gegebenen Erklärungen die ReichSregiernng von ihrer Verantwortlichkeit nichtbefreit werden.

Abgordneter von Kardorff: Meine Herren, nur noch ein Wort! Siewerden entschuldigen, daß ich noch einmal einige Worte spreche, aber der HerrAbgeordnete Bamberger hat uns mit einer großen, wohldurchdachten Rede be-vorzugt, und es ist wirklich sehr schwierig, auf alle die Momente zu antworten,,die er in das Bereich seiner Betrachtungen gezogen hat.

Er hat nämlich wiederholt darauf hingewiesen, daß unsere Silberverkäufeauf die Entwerthung des Silbers gar keinen Einfluß gehabt hätten, und dasist doch nicht ganz richtig. Ich gebe zu, die Quantität Silber, die wir ausden Markt werfen, ist im Verhältniß zu dem Silbervorrathe der ganzen Welteine geringe, aber die Silberentwerthung ist gleichwohl deshalb durch unsereVerkäufe hervorgerufen, weil wir mit Nothwendigkeit die anderen Staaten aufdie andere Bahn drängen, weil wir den Verdacht in der Welt durch unsereGoldwährung hervorgehoben haben, daß auch Frankreich die Doppelwährungnicht würde ferner behalten können und Frankreich gezwungen werden könnte,seine großen Silbervorräthc auf den Markt zu werfen, und serner, weil wir