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WaS nun die Erklärungen der beiden Herren Vertreter anlangt, so habeich mich vor allem gefreut, einen so objektiven und entgegenkommenden Ton indenselben wahrzunehmen, dah ich annehmen darf, eS haben die heutigen Er-örterungen wesentlich zur Klärung der Verhältnisse beigetragen. Ich habe hiernur weniges zu berichtigen. Zunächst habe ich nicht gesagt, wie der HerrSchatzsekretär meint, das; ich annehme, die Regierung habe ein Definitivumgeschaffen; ich habe nur gesagt, sie hat auf ein ganzes Jahr lang einen un-widerruflichen Znstand geschaffen. Und da sie nicht länger wie ein Jahr über-haupt dekretiren konute, so ist dies jedenfalls das Provisorium, was einem De-finitivum am nächsten kommt, wenn man sich selbst die Hände bindet, ein ganzesJahr nicht anders operiren zu können.
Ferner wird immer davon gesprochen, daß wir darüber einig seien, daßNiemand den Gang der Preise des Edelmetalls voraussehen kann, und ich binselbst weit entfernt davon, zn behaupten, die Verhältnisse könnten nicht auchumschlagen. Die Herren stellen sich immer der einen Eventualität gegenüber,daß es möglicherweise besser werden könnte. Warum spricht man nicht auchvon der anderen Eventualität, daß es noch schlechter werden kann? Und essprechen doch sehr viele Gründe dafür, daß es sich so wenden kann. Was solldann geschehen? Solleu wir, wenn das Silber noch stärker abwärts geht, unsverurtheilen, im letzten Stadium unserer Münzreform stecken zu bleiben? Fassenwir doch auch einmal eine solche Eventualität ins Auge; davon habe ich garnichts gehört.
Der Gedanke unserer Münzreform war, die Silvcrwährung, soweit sie nichtScheidemünze betrifft, zu beseitigen. Daß wir den Eventualitäten ausgesetztwaren uach der einen oder der anderen Seite hin, das war selbstverständlich,und da Niemand mit Sicherheit das Günstige oder daS Ungünstige sür denMetallmarkt voraussehen kann, so ist das Richtige, fortzufahren, weil man dannschließlich auf den Durchschnittspreis kommt, der der Ausdruck der wahren Ver-hältnisse ist. So handelt mau, wenn man mit Vorsicht operirt.
Als wir die Doppelwährnng ausmerzten und die einfache einführten, warzuin Silber kein besonderes Mißtrauen, eS war keine Rede vom Fallen desSilbers; sondern die Grunderwägnng bei der Ausschließung der Doppelwährungwar bei den verbündeten Regierungen wie den Vertretern im Reichstag, die ihrzustimmten, die, daß man bei der Doppelwährnng sich der Gesahr aussetzt, daßdas eine Metall sich einmal cntwerthen könne und daS werthlosere alsdann alleinim Lande bleibe. Es heißt überhaupt nicht Vorsicht, eine schon vorhandeneGefahr bekämpfen, sondern wirkliche Vorsicht ist, die Möglichkeit zu sehen undsich gegen diese Möglichkeit zn versichern. Dieser Möglichkeit wollten wir be-gegnen, indem wir die einfache Währung schufen. Sie hat sich glänzend be-währt. Kaum hatten wir das eine Metall abgeschafft, als eine Koujunktur ein-trat, die es bedeutend entwerthete und alle Länder, die damit behaftet sind, ingroße Verlegenheit gebracht wurden.
Daß mit derselben Vorsicht jetzt verfahren werde, daß wir uns nicht demUngewissen aussetzen, wegen der Möglichkeit eines zu vermeidenden Verlustesuoch größere Verluste wirklich tragen zu müssen und einer unabsehbaren Ver-schleppung unserer Münzresorm uns auszusetzen: das ist es, woraus ich hin-weisen wollte. Ich glaubte damit meine Schuldigkeit gethan zu habe». DieVerautworung gebührt deu Regierungen.
Abgeordneter Sonilemann: Ich gestatte mir nur einige kurze Bemerkungen.Der Herr von Kardorff hat zuletzt angekündigt, daß er bei der dritten Lesungeinen Antrag einbringen werde, daß man doch einen Kredit für die etwaige
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