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Die Reichstags-Verhandlungen über Münzreform und Bankwesen : (24. u. 25. Febr. 1880) / hrsg. und eingel. von Ludwig Bamberger
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gefallen und selbst den bescheidensten Erwartungeu schwerlich entsprechen wird.Ich sehe darin zwar kein Unglück, aber doch eine dringende Veranlassung fürdie Bankverwaltnng, Geschäfte, welche sie mit Nutzen machen kann, ohne densoliden Prinzipien der Bank zu nahe zu treten, nicht ganz gleichgültig zu be-handeln. Daß die Bankverwaltung hierbei mit der größten Vorsicht zu Werkegehe» muß und nicht vergessen darf, daß sie die eigentliche Probe auf dasReichsbankgesetz auch noch zu bestehen habe, erkenne ich unbedingt als richtigan. Die Lage der Neichsbank ist in der That viel schwieriger geworden, alsdie der preußischen Bank, und wir müssen, obgleich die Verwaltung dieselbe ge-blieben ist, sehr viel vorsichtiger sein, weil wir jetzt hauptsächlich aus die Giro-gelder angewiesen sind, die uns in jedem Augenblick entzogen werden können.Aber wir sind nns dieser Schwierigkeiten auch völlig bewußt und meinen, daßsich dies in den viel stärkeren Reserven, welche wir jetzt halten, klar zu er-kennen giebt.

Meine Herren, ich meine, wir können hiermit den Gegenstand verlassen, esist von diesen Verhandlungen ein Resultat doch nicht zn erwarten, da darüberhier nicht abgestimmt werden kann, ob die Bank nach den richtigen Grundsätzenverfahren ist, und Sie können der Bankverwaltung vertrauen, daß sie nichtweiter gehen wird, als es die Verhältnisse gestatten.

Abgeordneter Sonnemann: Ich bedauere sehr, dem zuletzt vom HerrnBankpräsidenten ausgesprochenen Wuusch, diesen Gegenstand zu verlassen, nichtnachkommen zu können. Ich hatte mich allerdings schon früher zum Wortegemeldet und hätte vielleicht dem Herrn Bankpräsidenten Gelegenheit gebenkönnen, wenn ich früher das Wort bekommen hätte, sich eine nochmalige Er-widerung auf gewisse Fragen zu ersparen; ich muß aber jetzt anknüpfend anseine letzten Aeußerungen auf diese Punkte zurückkommen. Zunächst gestattenSie mir aber einige andere die Reichsbank betreffende Bemerkungen. Wie Sieaus dem Etat ersehen haben, werden die Einnahmen aus der Reichsbank inin diesem Jahre mit einem Minus von 600000 Mark eingestellt. Nun, dasallein würde eine besondere Debatte nicht veranlassen, denn wir wissen Alle, daßim Jahre 1879 der Zinsfuß niedriger war, als im Vorjahre. Der Bankzins-fuß war durchschnittlich 3,69 Prozent und im vergangenen Jahr (1878)4,34 Prozent. Daraus ergiebt sich schon, daß Mindereinnahmen stattfindenmußten; allein es sind noch andere Gründe für die Mindereinnahmen vor-handen, und ich möchte mir erlauben, darüber einige Fragen an den HerrnBankpräsidenten zu richten. So sehr ich anerkenne, daß die Bankverwaltnngim Großen und Ganzen stets solide und vorsichtig gewesen ist, so habe ich dochden Eindruck, daß sie in der letzten Zeit einigermaßen nach verschiedenen Rich-tungen hin ins Schwanken gekommen ist; ich weiß nicht, ob das mehr derZentralverwaltung, einzelnen Zweiganstalten oder untergeordneten Organen zuzu-schreiben ist.

Der erste Puukt, über den ich den Herrn Bankpräsidenten interpellirenwollte, betrifft eine Frage, die jedenfalls auch bei den Erträgnissen des Jahres1879 eine hervorragende Rolle spielt; es sind das die Verluste, welche die Bankin den Städten Dortmund und Bochum erlitten haben soll. Ich meine, eswird dem Herrn Bankpräsidenten sehr angenehm sein, wenn er Gelegenheit hat,über diesen Gegenstand hier etwas näher sich auSzusprecheu, da es bis jetzt aneiner Gelegenheit hierzn gefehlt hat. Begreiflich ist allerdings die Nachricht,daß in jenem Jndustriezentrnm Verluste erlitten worden sind, aber es ist sehrauffallend, daß das gerade in dem abgelaufenen Jahre vorgekommen ist. Wärees während der Jahre 1873, 74, 75 im Lause der großen Krisis vorgekommen,